Stuttgart Künftig geht's nicht mehr auf die bequeme Tour

Nach fast vier Jahrzehnten muss der liebgewonnene Holzsteg, der Bad Cannstatt mit der Wilhelma verbindet, der S 21-Brücke weichen.
Nach fast vier Jahrzehnten muss der liebgewonnene Holzsteg, der Bad Cannstatt mit der Wilhelma verbindet, der S 21-Brücke weichen. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / OLIVER SCHMALE 13.02.2015
Wegen eines Brückenbaus für Stuttgart 21 muss ein Holzsteg weichen, der seit der Bundesgartenschau 1977 in Bad Cannstatt den Neckar überspannt.

Seit fast vier Jahrzehnten ist der Holzsteg über den Neckar für Spaziergänger oder Radfahrer eine bequeme Möglichkeit, den Fluss zu queren, um von Bad Cannstatt in den Rosensteinpark oder zur Wilhelma zu gelangen. Die Tage der 1977 zur Bundesgartenschau errichteten Brücke sind aber nun gezählt. Sie muss im Laufe des Jahres weichen - wegen der Bauarbeiten für das Milliardenprojekt Stuttgart 21.

Für S 21 entstehen zwei Eisenbahnbrücken über den Neckar. Eine bei Wendlingen, der Schnittstelle der Neubaustrecke nach Ulm und dem Bahnprojekt, sowie in Bad Cannstatt. Dort muss eine alte Brücke ersetzt werden. Der Holzsteg ist den Bauarbeiten im Weg, wie ein Sprecher des Kommunikationsbüros berichtet. Auf dem neuen Bauwerk sollen S-Bahn und Fernbahn gemeinsam parallel mit insgesamt vier Gleisen geführt werden.

Der Bau der rund 350 Meter langen neuen Brücke soll vier Jahre dauern. Was sie kostet, will der Sprecher nicht verraten. Weil, so die Begründung, das Ausschreibungsverfahren für das Bauwerk noch läuft. Erst nach Abschluss des Verfahrens könnten die Kosten genannt werden. Steht die neue Neckarquerung einmal, soll unter ihr für die Fußgänger und Radfahrer ein Steg eingehängt werden. Bis das so weit ist, wird es Ende 2018 oder Anfang 2019, so der Sprecher.

Der Holzsteg sorgte im Jahr 1977 wenige Wochen vor seiner Eröffnung für Schlagzeilen weit über Stuttgart hinaus, weil ein Teil der Konstruktion im Neckar landete. Für die Montage der Brücke waren zwei Kräne eingesetzt. Sie waren am Ufer und auf der Neckar-Mole aufgestellt. Einen Monat vor der Eröffnung der Bundesgartenschau gab ein Kranausleger nach, und die Holzkonstruktion landete im Wasser. Außerdem herrschte an diesem Tag auch noch starker Wind.

Doch bis zur Eröffnung der Bundesgartenschau 1977 stand die Brücke. Übrigens: Eigentlich sollte damals eine Stahlbrücke gebaut werden. Doch die Planer entschieden sich für die billigere Holz-Lösung.

Rund um die Wilhelma ist gerade vor wenigen eine Großbaustelle eingerichtet worden. Hier wird der Rosensteintunnel gebaut. Während des Baus der Brücke müssen Jogger, Spaziergänger und Besucher des Naturkundemuseums im Schloss Rosenstein auf die König-Karls-Brücke ausweichen. Das bedeutet einen größeren Umweg. Vom Brückenabriss ist auch die Anlegestelle der Ausflugsschiffe betroffen. Ein Teil der Schiffe wird dann umziehen müssen - und zwar Richtung Wilhelmsbrücke.

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