Grundstücksmarktbericht Stuttgart Knappes Angebot lässt Preise steigen

Durchschnittsverdiener tun sich immer schwerer, eine Wohnung zu finden.
Durchschnittsverdiener tun sich immer schwerer, eine Wohnung zu finden. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Stuttgart / Jürgen Schmidt 03.07.2018

Eine sanierungsbedürftiges Doppelhaushälfte im Stuttgarter Norden für mehr als eine halbe Million Euro, eine 56 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung für über 220 000 Euro:  Solche Immobilienangebote sind in der Landeshauptstadt keine Einzelfälle, sondern Normalität. Die Preise für Wohneigentum steigen weiter und haben längst auch Immobilien für Normalverbraucher erfasst, wie der Gutachterausschuss der Stadt Stuttgart im aktuellen Grundstücksmarktbericht mitteilt. Für ihre Analyse haben die Sachverständigen die 2017 abgeschlossenen Kaufverträge für Häuser und Wohnungen ausgewertet.

Mit durchschnittlich elf Prozent sind die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen besonders stark gestiegen. Neubauten wurden um durchschnittlich acht Prozent teurer. Der mittlere Preis einer Neubaueigentumswohnung lag 2017  bei rund 5900 Euro, der Spitzenpreis bei fast 17 000 Euro pro Quadratmeter. Der soll in der Robert-Bosch-Straße unterhalb des Bismarck-Turmes erzielt worden sein. Damit hat die Halbhöhenlage den Wohnturm Cloud Nr. 7 als teuerstes Pflaster der Stadt wieder abgelöst.

Zu wenig Wohnungsbau

Es ist allerdings nicht nur das Luxussegment, das die Kosten fürs Wohnen in der Landeshauptstadt immer mehr in die Höhe treibt. „Im unteren und mittleren Preissegment ist der Nachfragedruck aktuell deutlich höher, da das Angebot an erschwinglichem Wohnraum kaum vorhanden ist und Neubauwohnungen mit einem einfachen oder mittleren Wohnwert mit entsprechender Ausstattung lediglich unzureichend entstehen“, konstatiert das Marktforschungsinstitut des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) Süd in seinem jüngsten „Cityreport Stuttgart“. Laut Gutachterausschuss werden selbst in „einfachen Wohnlagen“ für bestehende Eigentumswohnungen zwischen 2700 und 5000 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Der Stuttgarter Immobilienmarkt ist derzeit ein Musterbeispiel für den marktwirtschaftlichen Mechanismus von Angebot und Nachfrage. Weil kaum noch Wohnimmobilien angeboten werden, wurden nur 5085 Kaufverträge abgeschlossen, so wenige wie noch nie seit der Erfassung, wie die Sachverständigen betonen. Gleichzeitig seien die Umsätze am heimischen Immobilienmarkt auf 3,58 Milliarden Euro gestiegen – dem zweithöchsten Betrag nach dem Rekordjahr 2015.

Und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: „Selten wurden im ersten Quartal weniger Kaufverträge abgeschlossen oder höhere Geldumsätze registriert als 2018“, konstatiert der Gutachterausschuss.

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