Katharinenhospital Klinikum soll fit für die Zukunft werden

Stuttgart / Daniel Grupp 19.03.2018

Zum Jubiläum wird es vermutlich nicht reichen. 2028, wenn das Katharinenhospital sein 200-jähriges Bestehen feiern wird, sollte der Neubau des größten Krankenhauses der Region in Betrieb gehen, hatte OB Fritz Kuhn (Grüne) vor einigen Wochen angekündigt. Damals stellte er geänderte Klinikbaupläne der Öffentlichkeit vor. Nach dem Olgahospital samt Frauenklinik soll auch das Katharinenhospital für 753 Millionen Euro komplett neu errichtet werden, weil die Sanierung der alten Gebäude kaum billiger käme. Die Veränderung hatten die neuen Klinikgeschäftsführer Jan Steffen Jürgensen und Alexander Hewer empfohlen, nachdem sie das Konzept unter die Lupe genommen hatten.

Als jetzt Christian Kilz, Baukoordinator des Klinikums, die Pläne im Krankenhausausschuss vorstellte, nannte er das Jahr 2029 als Termin der Fertigstellung des letzten Neubaus. Danach werden zwei nicht mehr benötigte Gebäude abgerissen. Anschließend  wird zwischen Kriegsberg- und Jägerstraße eine „Grünfuge“ angelegt.

Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU), der für das städtische Klinikum mit den drei Häusern Katharinenhospital, Krankenhaus Bad Cannstatt und Olgahospital zuständig ist, machte sich für den Neubau stark. Er hält eine Landesförderung von etwa 52 Prozent für realistisch. Das wären rund 400 Millionen Euro. Rund 70 Millionen sollen Grundstückerlöse bringen. Stadt und Klinikum müssten zusammen 287 Millionen Euro aufbringen. Diese Summe könne das Klinikum nicht alleine tragen, weil dies den angestrebten ausgeglichenen Haushalt torpedieren würde. Grundsätzlich herrscht in den Reihen der Stadträte Zustimmung zu dem Projekt, an der Finanzierung wurden jedoch Bedenken laut. Als nächstes befasst sich der Gemeinderat mit dem Thema.

Debatte um Verantwortung

Während die Neubauten das Klinikum fit für die Zukunft machen sollen, befasste sich der Ausschuss im nichtöffentlichen Teil mit der wenig rühmlichen Vergangenheit der International Unit (IU), die mehrere Millionen Euro in den Sand gesetzt haben soll. In den Jahren bis 2014 hatte diese Abteilung mit der Behandlung von Patienten aus dem arabischen Raum hohe Überschüsse erzielt. Laut Darstellung der Stadtverwaltung lagen die offenen Forderungen Ende 2017 nur noch bei 3,1 Millionen Euro, während für Ende 2015 offene Rechnungen von 16 Millionen Euro genannt werden. Es sei gelungen, Außenstände bei den ausländischen Kostenträgern einzutreiben.  Allein im vorigen Jahr  7,1 Millionen Euro.

In diesem Komplex ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Beteiligte. Politisch umstritten ist die Verantwortung des früheren Klinikgeschäftsführers Ralf-Michael Schmitz und der Bürgermeister Werner Wölfle und Michael Föll, die womöglich die IU zu wenig kontrolliert haben. Gegen den früheren Leiter der IU, Andreas Braun, hegt die Stadt zudem einen Betrugsverdacht. Sie wirft ihm vor, seine Vorgesetzten über drohende Risiken nicht informiert zu haben. Braun hat dies vor dem Arbeitsgericht bestritten.

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