Die Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat sowie der Kreisverband der AfD haben sich hinter Bernd Klingler gestellt. Der Sprecher der AfD-Fraktion wurde wegen Untreue in zwei Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten und einer Geldbuße verurteilt. In seiner Zeit als FDP-Fraktionschef soll er zweimal in die Kasse der Stuttgarter Liberalen gegriffen haben. Nichtsdestotrotz soll Klingler, der 2015 von der FDP zur AfD wechselte, einer der beiden Sprecher der Fraktion bleiben, wie Dieter Lieberwirth vom Kreisverband am Mittwoch eine Fraktionssitzung zusammenfasste. Das Urteil sei ja noch nicht rechtskräftig, womöglich gehe Klingler in Berufung. Er selbst habe den Prozess verfolgt und als einseitig empfunden, so Lieberwirth. Entlastende Zeugenaussagen seien von der Richterin nicht gewürdigt worden.

Dass Klingler Sprecher bleiben darf und von der Fraktion auch nicht dazu bewegt wird, sein Gemeinderatsmandat abzugeben, dürfte freilich noch einen anderen Grund haben: Ginge Klingler, verlöre die AfD mit dem Stadtrat ihren Fraktionsstatus und damit Zuschüsse und Einfluss. Daraus, dass Klingler die Kasse der FDP nach Ansicht des Gerichts unsauber führte, zieht die Fraktion für sich keine Schlüsse. Der zweite Sprecher der Fraktion, Lothar Maier, sei für die Finanzen zuständig, stellt Lieberwirth dazu fest.

Die Stadtverwaltung prüft hingegen durchaus mögliche Konsequenzen. Allerdings zum Nachteil der FDP. Sobald man das Urteil schriftlich vorliegen habe, werde man untersuchen, ob und in welcher Höhe man Rückforderungen an die zur Gruppe geschrumpfte Fraktion stellen werde, sagt der Pressesprecher der Stadt, Sven Matis. Im Raum steht ein Betrag von 23 500 Euro. Den hatte Klingler nach eigener Aussage für die Fraktion ausgegeben, die Richterin am Amtsgericht indes ist überzeugt, dass sich der Stadtrat davon einen gebrauchten BMW kaufte.