Investitionen Kirche investiert Millionen

Von Rainer Lang 08.12.2018

Aufbrechen – so heißt das Motto der katholischen Kirche in Stuttgart.  Als eines der spektakulärsten Ergebnisse gilt der aktuell einzige Kirchenneubau in der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf dem Memberg in Bad Cannstatt. Dort weiht Bischof Gebhard Fürst die Kirche St. Peter am kommenden Sonntag um 10 Uhr. Die letzte Kirchenweihe in Stuttgart war vor 20 Jahren.

„In Zeiten, in denen mehr Kirchen geschlossen als neu gebaut werden, ist das ein besonderes Ereignis“, betont das katholische Stadtdekanat. Während Pfarrer Martin Kneer auf dem Memberg die letzten Vorbereitungen für das Fest trifft, muss sich sein Kollege Werner Laub im Stuttgarter Westen noch gedulden, bis die Bagger anrollen. Auch hier entsteht ein Millionenprojekt.

Ein ganz besonderer Tag wird der 9. Dezember für Martin Kneer sein. Der 74-Jährige begleitet die Planungen seit zehn Jahren und hat seinen Ruhestand immer wieder hinausgeschoben, um bei der Einweihung dabei sein zu können: „Für mich war es wichtig, vom Anfang bis zum Ende zu erleben, wie eine neue Kirche und ein neues Gemeindezentrum entstehen“, freut er sich.

Stolz kann er auf das Ergebnis sein. Für rund 6,5 Millionen Euro  ist in den vergangenen 20 Monaten nicht nur eine neue Kirche für die rund 1800 Katholiken auf dem Memberg entstanden. Zu dem Neubau gehören auch ein Gemeindezentrum, ein Pfarrbüro und eine Kindertagesstätte. Möglich geworden ist das Projekt durch die Zusammenarbeit mit der katholischen Stiftung Liebenau, die einen Teil des Grundstücks von der  Gemeinde erworben hat, um darauf das Sozialtherapeutische Heim St. Damiano mit Wohnbereich und Werkstatt zu errichten.

Erstes umgesetztes Vorhaben

Die neue Kirche ist mit 150 Plätzen wesentlich kleiner als die alte, die 1972 ebenfalls am zweiten Advent geweiht worden war. Für die katholische Kirche in Stuttgart ist St. Peter die erste Standortentwicklung, die umgesetzt wurde.  Im Rahmen des Projekts „Aufbrechen“ gibt es  20 solcher Vorhaben an unterschiedlichen Standorten, wozu Projekte wie das Zentrum für Trauerpastoral in Degerloch zählen. Wichtig ist für die Verantwortlichen dabei immer, dass kirchliche Räume allen Bürgern offenstehen. „Wir wollen uns bewusst auch in den Stadtteil hinein öffnen und das Gemeindezentrum zu einem Ort der Begegnung machen“, erläutert Pfarrer Kneer den Versuch der Öffnung der Kirche über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus.

Das liegt auch Werner Laub im Stuttgarter Westen am Herzen. Der leitende  Pfarrer  der katholischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-West/Botnang treibt im Rahmen der Standortentwicklung ein ehrgeiziges Vorhaben in der Gemeinde St. Elisabeth voran.  An der Schwabstraße will die nach Laubs Angaben mit 9000 Mitgliedern größte Kirchengemeinde Stuttgarts so etwas wie ein Haus der katholischen
Kirche für den Stuttgarter Westen bauen, das im Stadtteil offen ist für alle.

Etwas bange wird dem stellvertretenden Stadtdekan in Stuttgart schon angesichts der Preisentwicklung auf dem Baumarkt. „Die Kostenexplosion bringt uns ins Schwitzen“, räumt Laub ein. Das Neubauprojekt ist seiner Einschätzung nach inzwischen auf einen zweistelligen Millionenbetrag geklettert. In das aktuell größte Bauvorhaben der katholischen Kirche in Stuttgart, das im kommenden Frühjahr starten soll, ist der 47-Jährige sozusagen hineingestolpert, als er 2012 aus dem eher beschaulichen Pfullingen bei Reutlingen nach Stuttgart kam.

Räume für Veranstaltungen

Weil von Anfang an klar war, dass eine Kirchengemeinde nicht mehr wie früher ihre Räume füllt, ist eine neue Nutzung vorgesehen. Da im Stadtteil Orte für Kulturveranstaltungen rar sind, will die Kirchengemeinde ihre Räumlichkeiten dafür günstig zur Verfügung stellen.

So kann sich der Pfarrer auch vorstellen,  dass es einmal in der Woche einen Mittagstisch für Menschen im Viertel gibt, die in Gesellschaft essen wollen. „Ziel muss es sein, die katholische Kirche mit Menschen in Berührung zu bringen, die schon lange keine Kirche mehr betreten haben, diese anzusprechen und zu überraschen“, sagt der Theologe.

Letzte Kirchenweihe im Jahr 1998

In Stuttgart ist die letzte Kirche im März 1998 geweiht worden: die Heilig-Kreuz-Kirche im Sommerrain in Bad Cannstatt. Die Gesamtkosten für den Neubau von St. Peter von insgesamt 6,5 Millionen sind unterteilt in rund drei Millionen für die Kirche und rund 3,5 für die Kindertagesstätte. Von der Gesamtsumme bringt die Kirchengemeinde etwa 1,4 Millionen auf, das Stadtdekanat rund 1,86 Millionen, die Diözese etwa 550 000 Euro und die Stadt Stuttgart (für die Kita) 2,6 Millionen.

Im Westen entsteht an der Schwabstraße anstelle des Gemeindehauses ein Neubau mit 15 Wohnungen in den oberen Stockwerken, von denen auf Wunsch des Bezirksbeirats ein Teil mit vier bis fünf Zimmern für Familien vorgesehen ist. lan                                            

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