Friedrichsbau-Varieté Keine Scheu vor Opas Feinripp-Unterhose

Ferkel Johnson lässt alle Hüllen fallen.
Ferkel Johnson lässt alle Hüllen fallen. © Foto: Alexandra Klein
Stuttgart / Raimund Weible 24.04.2018

So zeigt sich Ferkel Johnson also privat: Mit Brille, schwarzem Hemd und  kurzer Hose erscheint er zum Interview. Für einen Künstler seines Genres ein eher gemäßigtes Outfit. Auf der Bühne präsentiert sich der 1,90  Meter große Mann in schrillerer Aufmachung, die er häufig wechselt. Neun Mal zieht sich der „Maitre de plaisir“ in der Show „Burlesque Affairs“ während der Vorstellung um.

Johnson ist inzwischen eine feste Größe am Friedrichsbau-Varieté. Die „Burlesque Affairs“ sind sein drittes Engagement an dem Traditionstheater. Bereits 2016 hat er die Burlesque-Show  „Affairs“ in Stuttgart moderiert, bis zum 18. Februar dieses Jahres führte er zudem als Weißclown Merlin durch das Programm „Circus Circus“.

Friedrichsbau-Regisseur Ralph Sun lässt dem 36-jährigen Entertainer große Freiheiten. Johnson ist nicht der Mann, der lediglich von einer Nummer zur anderen überleitet. Er ist selbst Performer, ist die tragende Figur, der Star dieser Show. Noch nie hat ihn das Stuttgarter Publikum in einer so dominierenden Rolle gesehen. Johnson bringt vollen Körpereinsatz.

Burlesque lebt von raffinierten Andeutungen und Anzüglichkeiten, Komödiantentum, Satire und Selbstironie. Johnson schont sich nicht, zeigt sich auch in wenig schmeichelhaften Outfits – etwa in Opas Feinripp-Unterhose mit Eingriff. Im Publikum sitzen häufig junge Frauen, die  Junggesellinnen-Abschiede feiern. Kommen Zwischenrufe, kann er sich auf seine Schlagfertigkeit verlassen. Auch ist sich Johnson nicht zu schade dafür, den nackten Hintern zu zeigen.

Der Mann, der bürgerlich Merlin Pohse heißt, garniert seine Conference mit Erzählungen, die absolut wahr seien, wie er versichert. Ein loses Mundwerk gehört zur Burlesque dazu. Im Aufwärm-Programm bittet Johnson: „Öffnen Sie Ihre Herzen, öffnen Sie Ihre Hosen, lassen Sie sich gehen, lassen Sie auch einen fahren.“

Der gelernte Pantomime bekennt: „Ich fühle mich pudelwohl im Varieté, es macht mir einen Wahnsinns-Spaß.“ Der Mann, der jahrelang Straßentheater gemacht hat, ist auch ein Spezialist für die ruhigeren Momente. Er erzielt Wirkung ohne Worte.

„Kleine Ferkeleien“ nannte Pohses Mutter die Burlesque-Ausflüge ihres Sohnes. Für diese Bemerkung ist er ihr dankbar. Denn sie brachte ihn auf die Idee, sich Ferkel Johnson zu nennen. Bis zum 13. Mai führt er auf dem Pragsattel durch die Show. Dann, nach sechseinhalbmonatigem Dauer-Engagement, möchte er erst mal Urlaub machen – und zwar in Schweden, wo er sich in der Stille neue Ferkeleien einfallen lassen will.

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