Public Viewing Fußball-WM in Gesellschaft gucken

Bei der WM 2006 fieberten die Fans noch auf dem Schlossplatz mit, aus finanziellen Gründen veranstaltet die Stadt Stuttgart mittlerweile kein eigenes Public Viewing mehr.
Bei der WM 2006 fieberten die Fans noch auf dem Schlossplatz mit, aus finanziellen Gründen veranstaltet die Stadt Stuttgart mittlerweile kein eigenes Public Viewing mehr. © Foto: Marijan Murat dpa
Stuttgart / Caroline Holowiecki 05.06.2018

Am 14. Juni ist Anpfiff für die WM, und am meisten Spaß macht das Mitfiebern in großer Runde. Die schlechte Nachricht vorab: Die Stadt Stuttgart wird auch in diesem Jahr keine Leinwand auf dem Schlossplatz aufstellen. Das letzte Mal war 2008 gewesen, die Übertragung von drei EM-Spielen hatte eine halbe Million Euro gekostet, erklärt Rathaus-Sprecher Sven Matis. „Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen: Es ist richtig, kein großes, von Steuergeldern finanziertes Public Viewing zu veranstalten.“

Zumal besonders exotische Paarungen wohl nur wenige Gäste anziehen würden, „allerdings stehen Bildschirm, Toiletten oder Sicherheitspersonal dann eben auch bereit. Und die Kosten laufen fort“, erklärt Matis. Zudem vertrauten etwa Wirte darauf, dass die Stadt nicht in Konkurrenz trete. Matis verspricht: „Es gibt in Stuttgart ein saustarkes Angebot an Fußball-Übertragungen. Jeder findet ein Public Viewing nach seinem Geschmack.“

Platz für 1000 Fans

Tatsächlich galt Stuttgart mit mehr als 1500 Übertragungen zur Fußball-WM 2010 als deutsche Public-Viewing-Hauptstadt, wie ein Online-Eventkalender herausgefunden haben will. Für das diesjährige Turnier tun sich noch wenige Veranstalter mit Ankündigungen hervor. Dazu gehört das Mercedes-Benz-Museum. Auf der 24-Quadratmeter-LED-Wand werden fast alle Spiele übertragen, so Sprecherin Sabrina Meidl. Bei Deutschland-Matches werden Spezialgäste erwartet und Torwandschießen angeboten. Um die 1000 Fans können bei freiem Eintritt am Museum mitfiebern, allerdings nicht vom 5. bis zum 8. Juli, denn da ist die Freilichtbühne mit Konzerten belegt.

Ausweichen kann man unter anderem in den Biergarten im Schlossgarten, teilweise wird dort auch Musik gespielt. Ab zehn Personen kann man online einen Tisch reservieren. Im Schönbuch-Brauhaus werden ebenfalls alle Topspiele über die Leinwand flimmern, und wer es weniger zünftig mag, kann sich im Jazzclub Bix Deutschland- und ausgewählte Endrunden-Begegnungen anschauen, bei schönem Wetter auf der Terrasse.

Auch anderswo kann man massengucken. Während in den meisten Städten Großveranstaltungen wegen der Kosten und des Aufwands gescheut werden, wird in Wernau (Kreis Esslingen) an der Tradition festgehalten. Spiele mit deutscher Beteiligung werden auf dem Stadtplatz auf Leinwand gezeigt. Gastronomen und Metzger treten als Veranstalter auf und bewirten, allerdings wird erstmals ein Mindestverzehr erhoben. Laut Sylvia Schmid von der Wernauer Pressestelle passen 600 bis 700 Zuschauer hinter die Absperrung.

Auch in Kirchheim/Teck wird bei Deutschland-Spielen ein kleiner Teil der zentral gelegenen Dettinger Straße gesperrt. „Dort sind einige Restaurants und Bars, die Flat-Screens in und vor ihren Betrieben aufhängen. In diesem Bereich können dann bis zu 300 Leute die Spiele ungestört verfolgen“, sagt Stadtsprecher Dennis Koep.

Zumeist sind es etablierte Gasto-Betriebe, die sich mit Groß­events hervortun, etwa der Schwabengarten in Leinfelden-Echterdingen. Platz haben 1100 Gäste, schauen können sie auf einer 15-Quadratmeter-Leinwand. Das erste Deutschland-Spiel moderiert ein Radiosprecher, angekündigt werden zudem Fanartikel und ein Gewinnspiel. In Ludwigsburg kann man unter anderem im Krauthof gucken. Der wirbt mit einer extra hellen LED-Wand, auf der man auch bei Sonne gut sehen soll, sowie 1000 Sitz- und mehr als 500 Stehplätzen. Im Ludwigsburger Biergarten Uferstüble werden ebenso alle Matches übertragen. In Bietigheim-Bissingen gehen viele traditionell zum Paulaner am Viadukt. An der Enz bewahrt man auch im Sommer einen kühlen Kopf, und falls es regnet, ist im Saal eine zweite Leinwand.

Public Viewing mit Tradition

In Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) bietet sich der Biergarten Schwaneninsel an. Kombinieren kann man Fußball da mit einem Besuch des Altstadtfestes (29. Juni bis 1. Juli). Und die Sportsbar Kalaluna bietet das nach eigenen Angaben größte Public Viewing in Schorndorf. In Nürtingen wiederum vertraut man auf himmlischen Segen. Das Schauen der Deutschland-Spiele bei der Versöhnungskirchengemeinde hat dort Tradition.

Feiern ist auch nach 22 Uhr erlaubt

Party Fernseher auf die Straße – fertig ist das Public Viewing? So leicht ist es nicht. Vereine, Kirchengemeinden oder auch Privatleute sollten sich im Rathaus informieren. „Der Veranstalter braucht in der Regel eine Genehmigung, die das Amt für öffentliche Ordnung erteilt“, so Rathaus-Sprecher Martin Thronberens.

Lärm Normalerweise hat ab 22 Uhr Ruhe zu herrschen – je höher der Wohnanteil, desto leiser. Doch zur WM ist alles anders. Der Bundesrat hat einer Lockerung der Lärmschutzregeln zugestimmt, die das Bundeskabinett beschlossen hatte. Die öffentliche Übertragung der Spiele kann demnach auch in diesem Sommer wieder über die üblichen Ruhezeiten hinausgehen. car

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