Ob der Ordnungsbürgermeister den Falschparker bestellt hat? Jedenfalls kam es Martin Schairer gerade recht, dass der rote Kleinwagen am Freitagmittag in der Eberhardstraße nicht nur im absoluten Halteverbot stand, sondern gleichzeitig auch noch einen Ladeplatz für Elektrofahrzeuge belegte. Schairer stellte an dem Tag den Medienvertretern das neue, dreistufige Konzept „Stuttgart parkt fair!“ vor, das seit Kurzem in der Landeshauptstadt im Kraft ist.

Im ersten Schritt klärt die Stadt auf. Die 120 im Stadtgebiet eingesetzten Politessen werden dafür mit Aufklebern mit der Aufschrift „Stuttgart parkt fair“ ausgestattet, die der Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart bezuschusst.

Im zweiten Schritt folgen Verwarnungen mit Bußgeldern von bis zu 35 Euro – ein kleiner Betrag, findet Martin Schairer. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass man durch das Zuparken einer Rettungsgasse Menschenleben gefährdet.“ Allein im vergangenen Jahr hat die Stadt 858 000 Fahrer verwarnt.

Im dritten Schritt wird abgeschleppt. Ob es dazu kommt, hängt vom Einzelfall ab. Sicher ist aber, dass Fahrer, die schwere Parksünden begehen, von nun an schneller als bislang abgeschleppt werden. Die Zahl der abgeschleppten Fahrzeuge ist bereits gestiegen: von 1700 im vergangenen Jahr auf mehr als 2200 in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres.

Der Verwaltung geht es bei dem Konzept nicht in erster Linie um drakonische Strafen, sondern darum, Autofahrer für die Folgen ihres Falschparkens zu sensibilisieren. „Die Leute sollen sich Gedanken machen. Bei vielen fehlt das Unrechtsbewusstsein, sie kennen die meisten Regeln gar nicht“, sagte Schairer.

Zu den größten Parksünden zählen laut Stadt neben dem Parken im absoluten Halteverbot und auf Behindertenparkplätzen außerdem das Parken auf Sperrflächen, auf Radwegen, im Bereich einer Bushaltestelle, auf Gehwegen, an engen Stellen und im Kreuzungsbereich.

Vor allem in der Vorweihnachtszeit glichen die Straßen der Innenstadt einer Kampfzone, sagte Joachim Elser, Chef der Stuttgarter Verkehrsüberwachung. Trotzdem glaube man in der Verwaltung an die Kraft des Appells: „Die meisten Menschen sind einsichtig, wenn man sie auf ihr Fehlverhalten hinweist“, sagte Elser.