Superhelden Jedi-Ritter, Elfen und Hollywoodstars

Von Tilman Baur 02.07.2018

Leon Maywald stärkt sich am Pizzastand. Gerade noch war der 24-Jährige als „Clone Trooper“ unterwegs. So heißen die roboterähnlichen Soldaten der Filmreihe „Star Wars“. Zum Essen jedoch hat er seinen weißen Helm abgenommen. „Ich habe die Rüstung als Kit gekauft. Man muss die Teile ausschneiden, zusammenkleben, abschleifen, lackieren und mit einem Tragesystem anbringen, damit alles gut sitzt“, sagt Maywald. Für die dritte Auflage der „Comic Con“ am Wochenende auf der Stuttgarter Messe ist er extra aus Nordrhein-Westfalen angereist.  Er ist zum ersten Mal hier. Sich präsentieren, andere Cosplayer treffen, Fotos mit „Star Wars“-Fans machen: Das ist heute seine Mission.

Ein paar Meter weiter steht Bernhard Zink in voller Rocker-Montur, ausgestattet mit schweren schwarzen Stiefeln und paillettenbesetzten Handschuhen: Der 60-Jährige gibt heute den Bassisten der Band „Kiss“, Gene Simmons. Nebenbei sammelt Zink Spenden fürs Olga-Hospital. „Ich habe verschiedene Kostüme. Ich trete auch als Drache auf, als Pfau, als Schlangengöttin Medusa und als Clown“, sagt Zink, der im Hauptberuf Schreiner ist. Das schwere, zum Großteil selbst gemachte Kostüm fordert bereits seinen Tribut. „Ich bin bätschnass“, so der 60-Jährige, der seit 7.30 Uhr auf der Messe unterwegs ist.

Die „Comic Con“ zieht viele skurrile Figuren an. Genregrenzen verschwimmen, das übergeordnete Thema Comic gibt nur eine grobe Richtung vor. Bereits um 11 Uhr vormittags sind die Hallen gut gefüllt. Armeen von „Star Wars“-Kriegern strömen durch die Gänge, „Wonder Woman“ posiert für Fotos, die „Ghostbusters“ und „Superman“ geben sich ein Stelldichein mit Gnomen, Elfen und anderen Fabelwesen.

Das Herzstück der „Comic Con“ sind die 250 Zeichner und Illustratoren, die sich in Halle 1 ausgebreitet haben. So auch Sascha Dörp vom Label Comic Cabin, der eine Vorliebe für das Morbide, Apokalyptische hat. „Ratten“ heißt sein neuester Band. „Das ist mein erster und bislang einziger Horrorcomic“, sagt Dörp. Er arbeitet mit unterschiedlichen Textern zusammen.

Messen wie die „Comic Con“ seien wichtig, um neue Kontakte zu knüpfen. Die Besucher der „Comic Con“ seien zwar oft keine klassischen Comic-Fans, doch gebe es viele Berührungspunkte. „Wir sind eine kleine Szene. Je mehr Leute zusammenkommen und sich vernetzen, desto besser ist es für uns“, sagt Dörp.

Nicht zuletzt kommen die Fans wegen der Hollywoodstars auf die Messe. Der namhafteste hatte am Freitag kurzfristig abgesagt: Chuck Norris hatte seinen Flug nach Stuttgart verpasst, weil in der Heimat ein Unwetter tobte. Die Fans nahmen es gelassen – es gab ja Alternativen (siehe Kasten).

„Game of Thrones“-Star Nikolaj Coster-Waldau

Serien-Superstar Sieben Jahre lang hat der Däne Nikolaj Coster-Waldau den Königsmörder Jaime Lannister in der amerikanischen Fantasieserie „Game of Thrones“ verkörpert. Dadurch ist er zum internationalen Superstar aufgestiegen. Bei einer Fan-Fragerunde am Samstag waren hunderte Plätze vor der Bühne sofort besetzt.

Serien-Ende „Es war ein unglaubliches Erlebnis, Teil der Serie zu sein“, sagte Coster-Waldau. Die finale Folge der Serie wurde vor Kurzem abgedreht. Die letzte Staffel wird 2019 ausgestrahlt. Konkreten Fragen zum Ende der Serie wich der Schauspieler geschickt aus.

Seine Rolle In kurzer Hose, T-Shirt und Turnschuhen plauderte der 47-jährige darüber, wie wichtig Kostüme sind, um eine Rolle zu verkörpern („enorm wichtig“), ob er die Drehbuchautoren jemals verflucht habe („als ich meine Tochter retten muss und sie später in meinen Armen stirbt“) und wie er sich auf Rollen vorbereitet („In der Schauspielerei geht es immer darum zu verstehen, warum Menschen das tun, was sie tun“).

WM Der gut gelaunte Däne sprach auch über die Fußball-WM. „Bei uns in Dänemark ist es genau umgekehrt wie bei euch: Ihr könnt nicht fassen, dass ihr die Vorrunde nicht überstanden habt, wir können nicht fassen, dass wir weitergekommen sind.“

Skurrile Szene Eine Frau fragte den Schaupsieler am Samstag, ob er denn wisse, dass ein Stuttgarter Stadtteil Waldau heißt. Sie lief mit einem VVS-Streckennetz-Plan zur Bühne. „Das ist mit aber mit geändertem Linienverlauf, oder?“, entgegnete Coster-Waldau in akzentfreiem Deutsch und sorgte so für viel Lachen. tjb

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