Projekt Integration über Freundschaft

Hanno Dihle bringt Tandempartner zusammen.
Hanno Dihle bringt Tandempartner zusammen. © Foto: Hanno Dihle
Elena Kretschmer 26.05.2017

Einheimische und Geflüchtete werden Tandem-Partner – ganz locker und ungezwungen. Dieses Konzept verfolgt der Verein „Start with a friend“, den es seit Anfang April auch in Stuttgart gibt. Zwölf andere Standorte bestehen bereits und der 14. wird derzeit in Mannheim aufgebaut. „Integration gelingt nur, wenn die Geflohenen aktiv an der Gemeinschaft teilhaben“, erklärt Hanno Dihle, Regionalleiter Süd. Deshalb stellt der Verein geflüchteten Menschen Einheimische an die Seite, die mit ihnen den Alltag in Deutschland erleben und ihnen weiterhelfen, wo es nur geht.

Auf der Suche nach geeigneten Tandem-Partnern werden zunächst „Local“-Abende, also Info-Veranstaltungen für Einheimische, und Treffen mit Geflüchteten vereinbart. In Stuttgart gab es bisher jeweils drei. „Dort erfahren Interessierte, worum es bei ,Start with a friend’ überhaupt geht und die interkulturellen Vermittler führen die ersten Interviews“, so der 39-Jährige. Dabei werden Steckbriefe mit Eckdaten und Erwartungen der Interessierten erstellt, ausgewertet und anschließend „gematched“, also die Personen mit den besten Übereinstimmungen zusammengesteckt. „Dann bekommen beide Parteien eine Anfrage und wenn beide einverstanden sind, kommt es zum ersten Treffen.“ Das finde meist auf neutralem Boden statt – in einer Kneipe oder einem Café.

In Stuttgart wurden laut Dihle nun die ersten zwölf Paare gematched. Durch den Aufruf eines örtlichen Rundfunksenders habe man derzeit allerdings einen Überschuss an Geflohenen und suche noch dringend nach Einheimischen, die ehrenamtlich tätig werden wollen. „Wir stellen den Kontakt her, vermitteln, bieten Aktivitäten an. Und auch wenn es Probleme gibt oder eine Kontaktaufnahme mal nicht klappen sollte, kann man sich jederzeit gerne an uns wenden“, sagt Dihle.

Eine weitere große Aufgabe in Stuttgart für den Verein ist es noch, ein Netzwerk zu Beratungsstellen und Veranstaltungsstätten aufzubauen. „Eine Kooperation mit den Stuttgarter Museen haben wir jetzt schon.“ Weitere würden gerade geprüft. In Freiburg, wo Dihle vorher Koordinator war, habe man außerdem ein Fußballspiel und einen Escape Room besucht, gemeinsam gegrillt, sei gewandert, habe Bingo gespielt – „da ist wirklich alles denkbar“.