Qualitätskontrolle Innerhalb von zwei Minuten ein Ergebnis

Barbara Wollny 09.11.2016

Gefälschtes Bier kann sich für Brauereien zu einem Millionenverlust entwickeln. Um nachzuprüfen, was tatsächlich in die Flasche und dann ins Glas fließt, waren für Bierhersteller bisher aufwendige Laboruntersuchungen nötig, die meist Tage in Anspruch nahmen. Erst mit den Ergebnissen stand fest, ob es sich um Original- oder gepanschtes Bier handelt. Und erst dann konnten die nötigen Schritte zur Qualitätssicherung unternommen werden.

Die Firma Micro Biolytics, gegründet 2001 in Freiburg, ist vor neun Jahren in den Science-Park Esslingen gezogen. Sie hat jetzt ein neues Verfahren vorgestellt, mit dem sich Flüssigkeiten schnell und ohne aufwendige Laborgerätschaften untersuchen lassen – auch direkt an der Abfüllanlage oder an der Produktionslinie. „Wir digitalisieren Flüssigkeiten und können in nur zwei Minuten die Inhaltsstoffe bestimmen. Damit wissen wir, ob die untersuchte Substanz baugleich ist mit der Originalsubstanz“, sagt Andreas Wolf, Diplomchemiker und Firmengründer.

Das Analyseverfahren basiert auf der schon länger gebräuchlichen Infrarot-Spektroskopie, einer Technik, die Stoffe mit Hilfe von Licht identifiziert. Das neue Esslinger Verfahren wurde allerdings in drei Jahren intensiver Forschungsarbeit weiter entwickelt und findet nicht nur vordefinierte, sondern alle Inhaltsstoffe der Probe. Sie werden ausgewertet und in eine Datenbank eingelesen. Damit wird die kontinuierliche Überwachung von Produktionsprozessen ebenso wie die konstante Sicherung der Produktqualität einfach, schnell und kostengünstig. Interessante Einsatzmöglichkeiten bieten sich in der Pharmaindustrie, der Biotechnologie, der industriellen Produktion oder der Lebensmittelindustrie.

Eine Besonderheit ist auch, dass das Messverfahren so einfach ist, dass es theoretisch von jedermann ausgeführt werden kann. „Probe einfüllen, das heißt die Originalsubstanz einführen, Gerät einschalten, Daten auslesen lassen, mehr ist nicht nötig“, beschreibt Wolf die Funktionsweise des neuen „Mira-Analyzer“-Geräts, eines unscheinbaren, 30 mal 60 Zentimeter kleinen Geräts, das seit Anfang des Jahres auf dem Markt ist und schon einige Male verkauft worden ist.

„Wir sind mit einigen großen Herstellern aus verschiedenen Branchen im Gespräch, die die Vorteile der Schnellanalyse erkannt haben. Weltweit sind wir momentan die einzigen, die solch ein Verfahren anbieten können“, sagt der Chef von 14 Mitarbeitern.

Das Life-Science-Center Esslingen wurde 2000 gestartet und ist einer der Standorte der „BioRegio Stern“. Das Wort Stern steht für die Städte Stuttgart, Tübingen, Esslingen, Reutlingen und die Region Neckar-Alb. In dieser Region werden Unternehmen aus Zukunftstechnologien wie Biotechnologie oder Medizintechnik gefördert. Barbara Wollny