Stuttgart In keiner anderen deutschen Stadt leben so viele Hasen

Geballte Hasen-Power im Rosensteinpark.
Geballte Hasen-Power im Rosensteinpark. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / BARBARA WOLLNY 26.03.2016
Den Osterhasen trifft man nicht auf dem Land, sondern in der Stadt: Stuttgarts Hasendichte ist fünfmal höher als in Baden-Württemberg.

Der Hase ist ein Trendsetter. Er ernährt sich vegan, liebt es grün und mild, und er zieht in die Stadt. Während die Hasendichte in Baden-Württemberg auf einem niedrigen Niveau verharrt, geht ihre Zahl im Stuttgarter Rosensteinpark und im unteren Schlossgarten durch die Decke. Janosch Arnold, Leiter der Wildforschungsstelle in Aulendorf, spricht von einem regelrechten "Hasen-Phänomen", wenn es um die im Vergleich zum Land fünf Mal höhere Hasendichte in Stuttgart geht: Über 100 Hasen wurden gezählt, bundesweit die größte innerstädtische Population.

Seit 1987 zählt die Wildforschungsstelle Aulendorf den Bestand der Wildtiere in Baden-Württemberg. Die Anzahl der erfassten Feldhasen ist ein guter Indikator für die Qualität der ökologischen Verhältnisse. Mit rund elf Feldhasen pro 100 Hektar ist der Bestand in Baden-Württemberg nicht akut bedroht, bleibt aber kontinuierlich niedrig. "Hauptgründe sind die intensive Landwirtschaft und die Fuchsdichte, die stark zugenommen hat", erklärt Arnold. Immer weniger Hecken, Gehölze und Grünsäume mit Kräutern und Gräsern bleiben neben den landwirtschaftlich genutzten Großflächen erhalten. Genau die aber braucht der Hase als Nahrungsquelle und als Deckung vor seinen Feinden. Außerdem schätzt das Tier milde Temperaturen. Ist das Hasenfell nass, kühlt es rasch aus - und wird anfällig für Krankheiten.

180 Jahre alt und 64 Hektar groß ist der Stuttgarter Rosensteinpark. Zählt man den unteren Schlossgarten hinzu, sind es sogar 120 Hektar. Er wurde auf Anordnung König Wilhelms nach Plänen des Hofgärtners Johann Bosch angelegt. Heute gehört der Park dem Land Baden-Württemberg und steht unter Denkmalschutz. Er liegt oberhalb des Neckars zwischen Neckartal-, Prag-, Ehmannstraße und Nordbahnhof. Zwischen Baumgruppen aus Laub- und Nadelgehölz befinden sich langgestreckte, weite Wiesen, die größtenteils nicht betreten werden dürfen. Sie dienen als Futterwiesen für die Wilhelma. Und sie sind das Schlaraffenland der Feldhasen.

"Wir mähen zwei bis dreimal im Jahr und verfüttern das Heu an unsere Zootiere", sagt Landschaftsarchitekt Micha Sonnenfroh, Leiter der Parkpflege und zuständig für den Rosensteinpark sowie die Wilhelma. "Meine Mitarbeiter kennen unsere Hasenbestände gut und lassen genügend Altgrasbestände als Unterschlupf stehen." So nimmt er es auch gelassen, wenn die Hasen gelegentlich in den Tierpark hoppeln. Dort schätzen sie vor allem die Sommerbepflanzung. "An den Fraß-Schäden sehen wir, dass unsere Blumen im Zoo nicht nur gut aussehen, sondern auch schmecken."

Thomas Seitz, Zooinspektor der Wilhelma, ist derzeit etwas in Sorge, ob dieses Jahr wieder die Hasenzahl der Vorjahre erreicht werden kann. Denn das Hasenparadies Rosensteinpark ist von Baustellen umgeben, und das Frühjahr zeigte sich bisher auch nicht von seiner sonnigsten Seite. Direkt nach Ostern sollten die neuesten Zahlen vorliegen. Gezählt werden die Hasen von ehrenamtlichen Helfern mittels Taschenlampen. Hasen sind nachtaktiv und gern im Dunklen unterwegs.