ÖPNV In den Stuttgarter Unterführungen muss sich etwas tun

Von Vorname Nachname 17.09.2018

Es herrscht Hektik in der Klett-Passage am Stuttgarter Hauptbahnhof. Menschen rennen durcheinander. Sie haben es eilig. Entweder geht es von der Arbeit nach Hause, zum nächsten Termin oder einfach nur in die Stadt. Einige legen noch kurz einen Stopp beim Bäcker ein, dann führt der Weg weiter durch die unterirdische Passage zur S-Bahn- oder Stadtbahn-Station.

Hinter dem Tresen einer Bäckerei in der Klett-Passage steht Medina Lezic. Täglich bedient sie Pendler, die sich schnell etwas für Zwischendurch kaufen. Sie mag ihre Arbeit, sagt sie. Aber: „Es passiert hier jeden Tag etwas.“ Andauernd erlebt sie, wie sich Menschen streiten oder sogar prügeln. „Trotzdem fühle ich mich sicher“, sagt die Verkäuferin. Das liege aber nicht an der Polizeipräsenz, denn die Beamten seien kaum zu sehen. Viel mehr habe sie sich an solche Szenarien einfach gewöhnt.

Der Eindruck von Medina Lezic täuscht, sagt Stephan Widmann, Sprecher der Stuttgarter Polizei. „Wir laufen regelmäßig Streife. Das gehört zur täglichen Arbeit.“ Natürlich seien Bahnhöfe und die umliegenden Gegenden immer besondere Brennpunkte. „Doch wir versuchen genau dort, wo sich zum Beispiel eine Drogenszene entwickelt, mehr Präsenz zu zeigen“, erklärt Stephan Widmann. Das Obdachlosen-Problem sei aber ein wenig schwieriger zu lösen. Man könne sie nur vom Platz verweisen, wenn es einen triftigen Grund dafür gebe.

Für Lars Fichter ist das Klientel, das man in der Klett-Passage antrifft, „gewöhnungsbedürftig.“ Er geht regelmäßig auf dem Weg von der Arbeit nach Hause durch die Unterführung. „Auch ich als Mann habe dann ein mulmiges Gefühl“, sagt er. Stopps in den Läden macht er nur selten, unter anderem weil der Ort ihn nicht zum Verweilen einlädt. Maik Sailer, Chef eines kleinen Supermarktes in der Klett-Passage, ist bewusst, dass Bahnreisende nur selten viel Zeit in der Passage verbringen. „Wir haben Stammkunden, aber die meisten kommen zu uns, weil sie noch kurz etwas einkaufen wollen und gehen dann weiter“, erzählt er.

Wer räumt auf und putzt?

Auch das Thema Sauberkeit trägt zum Wohlfühlfaktor in den Passagen bei. Wer in welcher Unterführung in Stuttgart dafür sorgt, dass kein Müll auf dem Boden liegt und Graffiti von den Wänden verschwinden, ist aber nicht immer leicht herauszufinden.

Die Instandhaltungsmaßnahmen in der Rotebühl-Passage teilen sich zum Beispiel die SSB und die Deutsche Bahn, erklärt Birte Schaper, Pressesprecherin der Stuttgarter Straßenbahnen. Ute Muhandes merkt davon aber nichts. „Sauber und sicher?“, fragt sie und lacht. „Schauen Sie sich doch mal um.“ Die Stuttgarterin fährt regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ihr Weg führt oft durch die Rotebühl-Passage. In den letzten 30 Jahren hat sich ihrer Meinung nach viel verändert – und zwar zum Negativen. „Wohl fühle ich mich schon lang nicht mehr.“ Sie ist vorsichtig geworden, hält sich in den Unterführungen nicht lange auf und achtet auf ihre Handtasche.

Einen anderen Eindruck von der Situation in der Rotebühl-Passage hat Yogaraja Thayanonthan: „Es ist ruhiger geworden. Aber natürlich passieren immer wieder kleine Zwischenfälle“, sagt der Blumenladenbesitzer. Er hat sich zum Beispiel daran gewöhnt, dass täglich mehrere Blumensträuße von den Auslagetischen vor seinem Geschäft geklaut werden.

Dass sich in den Passagen in Stuttgart noch einiges tun muss, damit dort eine Flaniermeile entsteht, weiß Armin Dellnitz, Geschäftsführer des Stuttgart-Marketings. Trotzdem sind die Unterführungen seiner Meinung nach in einem guten Zustand. „Das liegt vor allem an der Beleuchtung“, sagt er. „Wo es gut beleuchtet ist, fühlen sich die Leute wohl.“ Er wünscht sich aber, dass sich die Einstellung der Menschen ändert. „Unterführungen müssen nicht unattraktiv sein. Man kann daraus etwas machen“, fordert er. Das sei allerdings auch eine finanzielle Frage.

Fußgängerpassagen sind Sache der Stadt

Im Stadtgebiet Stuttgart gibt es 51 öffentliche Fußgängerunterführungen, die nicht zu Nahverkehrsmitteln führen, sondern als Weg von der einen zur anderen Straßenseite dienen. Zuständig für diese Passagen ist das Tiefbauamt. Es sorgt für regelmäßige Kontrollen und Reinigungen.

Um Verschmutzungen an den Wänden vorzubeugen, arbeitet das Tiefbauamt mit der Jugendhausgesellschaft zusammen. Ein- bis zweimal im Jahr haben Graffiti-Künstler die Möglichkeit, legal zu sprayen. Damit möchte die Stadt Schmierereien verhindern. Beispiele dafür gibt es in der Unterführung in der Alexanderstraße und im Kafkaweg in Stuttgart. sei

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