Jubiläum  Im Zeichen des roten Brustrings

Die Ausstellung im Mercedes-Benz-Museum dokumentiert die Geschichte des VfB. Die Farben Rot und Weiß dominieren.
Die Ausstellung im Mercedes-Benz-Museum dokumentiert die Geschichte des VfB. Die Farben Rot und Weiß dominieren. © Foto: Helmut Ulrich
Stuttgart / Tilman Baur 06.09.2018

Der VfB Stuttgart wird 125 Jahre alt in diesem Jahr. Für die Region war er stets mehr als „nur“ ein Sportverein.   „In den 125 Jahren hat es Kriege, Krisen und viele gesellschaftliche Veränderungen gegeben. Aber gerade in diesen Zeiten ist die verbindende Kraft des Fußballs besonders stark gewesen“, sagte Präsident Wolfgang Dietrich am Mittwoch im Clubzentrum vor Journalisten.

Die Strahlkraft, die der VfB in der Region besitze, sei nichts Selbstverständliches. „Wir haben diese Stadt im Sportbereich geprägt, sind der größte Verein in Baden-Württemberg“, so der Präsident. Der VfB ging 1912 aus der Fusion des FV Stuttgart 1893 und dem Kronenklub Cannstatt hervor. Dietrich brachte zur Pressekonferenz eine Scherbe aus den Überresten des Hotels Concordia mit, in dem der historische Akt damals vollzogen wurde.

Die Geschichte des VfB verlief wechselvoll. Aus Krisen zu lernen  sei immer eine Stärke des VfB gewesen. So zuletzt 2016 nach dem zweiten Abstieg aus der Bundesliga. Diesen Geist wünsche er sich auch für kommende Generationen.

Der Basis verbunden

Tradition und Zukunft jedenfalls gehörten zusammen, das eine sei ohne das andere nicht denkbar, sagte Dietrich. Als Präsident wolle er den VfB in eine sichere Zukunft führen. Zwar sei der Fußball heute internationaler als früher und mache nicht mehr an der Landesgrenze halt. Doch es sei wichtig, die Menschen in der Region hinter sich zu haben.

Die Heimat zu stärken, darin liegt eine Mission Dietrichs. Die Kernsponsoren kämen bereits aus der Region, dieses Engagement wolle man künftig ausbauen. Außerdem bekannte sich der Präsident zum Standort in Bad Cannstatt: „Wir schauen zusammen mit der Stadt, wie man den Standort weiter entwickeln können.“ Mittelfristig plant der VfB ein Vereinsmuseum.

Eine entscheidende Weiche auf dem Weg in eine stabile Zukunft hat der VfB mit der 2017 vollzogenen Ausgliederung der Profi-Abteilung gestellt. Die Treue von Hauptsponsor Daimler – auch in schweren Zeiten – sei wichtig gewesen, betonte der Präsident. Er deutete an, dass sich der VfB derzeit mit weiteren Investoren in Gesprächen befindet – Mitte 2019 will man Handfestes verkünden.

Der VfB soll ein Verein der Basis bleiben. „Es sind die Spieler, die Mitglieder und die Mitarbeiter, die unsere Tradition ausmachen“, so Dietrich. Am „Tag des Brustrings“ im August seien 100 Ehemalige gekommen. „Es hat sich angefühlt wie ein Klassentreffen.“

Einige Protagonisten dieses Klassentreffens waren bereits in einem Film zu Wort gekommen, der am Beginn der Pressekonferenz gezeigt wurde, darunter Armin Veh, Jürgen Klinsmann und Christoph Daum. VfB-Historiker Harald Jordan wusste zu berichten, dass der charakteristische rote Brustring auf den Trikots der Schwaben als Symbol für Treue zu verstehen sei.

Der Film führt die Bedeutung des Fußballs für Stadt und Region vor Augen: Bereits nach dem Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft 1950 versammelten sich 200 000 Menschen in der Stadt. Mit zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiegen sind die Fünfzigerjahre bis heute die erfolgreichste Zeit des Vereins. Geprägt hat sie VfB-Legende Robert Schlienz, der mit einem Arm spielte und es auf 391 Begegnungen im Brustring brachte.

Seitdem gab es viele Höhen und Tiefen. Dem ersten Abstieg 1975 folgte die Ära des Präsidenten Mayer-Vorfelder, der den Verein professionalisierte und ein Vierteljahrhundert die Geschicke leitete. Besonders gern erinnern sich Fans außerdem an die Meisterschaften 1984, 1992 und 2007 sowie an den Pokalerfolg unter Trainer Joachim Löw 1997 .

Präsidiumsmitglied Thomas Hitzlsperger attestierte dem VfB eine „brutale Strahlkraft in der Region“. Der Kapitän der Meisterschafts-Elf von 2007 sagte, die Menschen in der Region seien dem 66 000 Mitglieder starken Verein zugewandt, auch wenn es mal nicht so laufe.

Hitzlsperger und Präsidiumskollege Bernd Gaiser legten Wert darauf, den Verein für Bewegungsspiele auch als solchen zu verstehen und nicht auf den Fußball zu reduzieren. So sei die Schiedsrichter-Abteilung  die größte deutschlandweit, sagte Hitzlsperger, und laufe „wie geschnitten Toastbrot.“

Auch die Leichtathleten, die Faustballer, die Tischtennis- und die Hockeyspieler gehörten zum Verein, nicht zu vergessen die traditionsbewusste Garde-Abteilung. „Wir sind ein VfB“, sagte Gaiser.

Infokasten
125 Anekdoten

Der Band zum Jubiläum des VfB heißt „125 Geschichten aus dem Leben des Vereins für Bewegungsspiele Stuttgart“ . Die Geschichte des VfB in 125 Anekdoten darzustellen, sei der Grundgedanke gewesen, so Mit-Autor Florian Gauss. Der Band ist im Handel für 34,95 Euro erhältlich.

Das Mercedes-Benz-Museum zeigt vom 9. September bis 2. April 2019 die VfB-Sonderausstellung „Bewegt seit 1893“ . Zu den Exponaten zählen eine Torstange vom Spiel um den Wiederaufstieg gegen die Würzburger Kickers im Jahr 2017 oder das Trikot von Sami Khedira vom 34. Spieltag der Meistersaison 2006/2007. tjb

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