Stuttgart Im Halbstundentakt nach Stuttgart

Buuu
Buuu © Foto: Ministerium für Verkehr
Stuttgart / BARBARA WOLLNY 18.06.2016
Mit Metropolexpress-Zügen sollen Pendler ab 2020 im Halbstundentakt von Tübingen nach Stuttgart kommen. Andere Linien kommen schon früher.

Während der ICE etliche Fernverbindungen auf der Schiene unschlagbar schnell gemacht hat, kränkelt der Regionalverkehr. Schlechte Verbindungen, nachts und an den Wochenenden noch ausgedünnter, halten Reisende und Pendler in der Metropolregion Stuttgart von der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs außerhalb des S-Bahn-Netzes ab. Das soll sich ändern.

Ein Quantensprung sind die Metropolexpress-Züge für den Nahverkehr in Baden-Württemberg, zeigt sich der grüne Verkehrsexperte  Matthias Gastel überzeugt. Durch die Attraktivität des neuen Angebots erwartet der Bundestagsabgeordnete aus Filderstadt (Landkreis Esslingen) sehr viel mehr Bahnkunden und dadurch eine deutliche Entlastung der staugeplagten Region sowie die Verringerung der hohen Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastungen.

Die Planung geht zurück auf 2014. Damals legten Stadt, Landkreise und der VVS unter Leitung des Verkehrsministeriums ein umfangreiches Arbeitsprogramm vor, mit dem der öffentliche Nahverkehr bis zum Jahr 2025 deutlich attraktiver und von 20 Prozent mehr Menschen genutzt werden soll. Als wichtigste Maßnahmen dafür wurden die Erhöhung der Zuverlässigkeit der Stuttgarter S-Bahn festgelegt sowie die schrittweise Einführung von neuen Metropolexpress-Zügen, ergänzt durch Expressbus-Linien.

So wird das Land von Pforzheim, Horb, Tübingen, Geislingen, Aalen, Schwäbisch Hall und Heilbronn im Halbstundentakt fahrende Metropolexpresszüge in Richtung Landeshauptstadt einsetzen (siehe dazu auch die Infobox). Sie sollen im Außenbereich viele Haltestellen anfahren, im S-Bahn-Netz aber nur noch an den wichtigen Umsteigepunkten halten. Die erste Verbindung soll Ende kommenden Jahres starten, die letzte Ende 2020. Die wahrscheinliche Verzögerung des Bahnprojekts Stuttgart 21 soll laut dem Verkehrsministerium keine Auswirkungen auf diese Zeitplanung haben. Die vorgesehenen Linien seien mit der Infrastruktur des bestehenden Bahnhofs umsetzbar.

Eine weitere große Neuerung wurde mit der offenen Ausschreibung angestoßen. Statt automatisch die Deutsche Bahn Regio als Betreiberin vorzusehen, wurden die Strecken frei angeboten. „Mehr Bahn für weniger Geld“ war das Ziel, so Andreas Schwarz, unter der alten Regierung verkehrspolitischer Sprecher und jetzt Fraktionsvorsitzender der grünen Landtagsfraktion. Er bestätigt, dass auch die neue grün-schwarze Regierung voll hinter dem Konzept steht.

Die Hoffnung, durch mehr Wettbewerb auf der Schiene die Kosten senken zu können, scheint aufzugehen. Als erstes und besonders lukratives Netz wurde das Stuttgarter Netz an die Betreiber Go-Ahead und Abellio vergeben. Der Auftrag umfasst 14,8 Millionen Zugkilometer pro Jahr mit einem Umsatz von rund 2,7 Milliarden Euro gerechnet auf 13 Jahre Vertragslaufzeit. Es reicht bis zu den Endpunkten Mannheim, Bruchsal, Osterburken, Tübingen, Crailsheim, Ulm, Karlsruhe, Würzburg und Aalen. Der niederländische Konzern Abellio soll das Neckartal befahren, das britische Verkehrsunternehmen Go-Ahead die Strecken Rems-Fils und Franken-Enz. Der Zuschussbedarf je Zugkilometer wird sich mit den neuen Anbietern zukünftig halbieren. Bisher bezahlt das Land noch knapp zwölf Euro je Zugkilometer.

Die DB Regio, die leer ausging, hatte zwar das billigste Angebot abgegeben, jedoch gegen Ausschreibungsregeln verstoßen. Dagegen klagte sie bis zum Oberlandesgericht Karlsruhe. Dieses entschied Ende April, dass der Ausschluss rechtmäßig war.

Seitdem laufen die Vorbereitungen der zwei deutschen Töchter der neuen Betreiber, der Abellio Rail Südwest GmbH und der Go-Ahead Verkehrsgesellschaft Deutschland GmbH, auf Hochtouren. Beide Unternehmen werden auf den Strecken neue Züge einsetzen. Stephan Krenz, Abellio-Chef in Deutschland: „Wir freuen uns darauf zu zeigen, wie komfortabel und kundenorientiert Zugfahren sein kann“.

Als erster Schritt hin zu den neuen Expressverbindungen wird ein werktäglicher Halbstundentakt zwischen Stuttgart und Murrhardt eingeführt, der in der Hauptverkehrszeit  bis Schwäbisch-Hall-Hessental weitergeführt wird. Zwischen Stuttgart und Horb wird ab Dezember 2017 zusammen mit bestimmten IC-Zügen der Linie Stuttgart – Zürich ebenfalls ein Halbstundentakt angeboten, sagt Julia Pieper vom Stuttgarter Verkehrsministerium. Allerdings könnte es auf dieser Strecke wegen der Bauarbeiten zu S 21 zu temporären Unterbrechungen kommen, die gegebenenfalls auch ein Umsteigen auf die S-Bahn erforderlich machen.

Verbindungen

Ausstattung Alle neuen Züge werden barrierefrei sein und mit mehr Platz für Kinderwagen, Rollstühle sowie Fahrräder ausgestattet werden. Auch WLAN, Steckdosen und Klimaanlagen wird es den Angaben zufolge geben. Genauso wie Zugbegleiter. Grundsätzlich sollen alle Metropolexpresszüge von Montag bis Samstag im Halbstundentakt fahren, sonntags bei entsprechender Fahrgastdichte im Stundentakt.

Zeitplan Wann starten welche Expresszüge wohin? Die Übersicht:  Stuttgart – Horb: ab Dezember 2017. Stuttgart – Schwäbisch Hall: ab Dezember 2017. Stuttgart – Aalen: ab Juni 2019. Stuttgart – Pforzheim: ab Juni 2019. Stuttgart – Heilbronn: ab Dezember 2019. Stuttgart – Geislingen: ab Dezember 2019. Stuttgart – Tübingen: ab Juni 2020. bw

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel