Bondorf IC-Halt droht Verspätung

Der Bondorfer Bahnhof soll für IC-Züge saniert werden.
Der Bondorfer Bahnhof soll für IC-Züge saniert werden. © Foto: Helmut Ulrich
Bondorf / UWE ROTH 05.02.2016
Die Bahn will im Wettbewerb mit Fernbussen die Zahl der IC-Halte erhöhen. In Bondorf reicht ein Einspruch, um die Zeitpläne auszusetzen.

Nach dem Gäubahnkonzept der Landesregierung gibt es im Landkreis Böblingen entlang der Strecke Stuttgart-Zürich bis Ende 2017 drei neue IC-Halte: Gäufelden, Herrenberg und Bondorf. In den Ausbau des Fernverkehrsnetzes hat die Deutsche Bahn in der Region Stuttgart auch die Kreisstädte Ludwigsburg und Esslingen einbezogen. Bisher legen Intercity-Züge außer in Stuttgart gelegentliche Stopps in Vaihingen an der Enz, Böblingen und an den Endpunkten der S-Bahnlinien ein. In der Zukunft sollen sich Bahnkunden mit dem Ausbau des IC-Angebots längere Anreisen zum nächsten Fernhaltebahnhof aber sparen können.

Das Staatsunternehmen reagiert mit der Aufnahme neuer Haltepunkte in den Fahrplan und Modernisierung der IC-Flotte auf die wachsende Konkurrenz der Fernbuslinien, auf deren günstigen Tickets immer mehr Reisende abfahren. Es will sich im harten Preiskampf auf seinen Standortvorteil besinnen, in jedem größeren Ort zentral einen Bahnhof zu haben und beliebig nutzen zu können. Im Gegensatz dazu suchen Fernbusbetreiber händeringend nach Haltepunkten in den Innenstädten. Oft aber werden sie an unattraktive Ortsränder verwiesen.

Auch die Strecke Stuttgart-Zürich ist hart umkämpft. Die Bahn will mit zusätzlichen IC-Halten trumpfen. Dazu müssen die Bahnhöfe entsprechend aufgewertet, in der Regel behindertengerecht ausgebaut und modernisiert werden. Auch die knapp 6000 Einwohner große Gemeinde Bondorf, die am südlichen Rand des Landkreises Böblingen und knapp außerhalb des Stuttgarter S-Bahnnetzes liegt, soll Anschluss ans Fernverkehrsnetz finden. Schon heute halten dort täglich 65 Regionalbahnen, die 2300 Reisende, in der Regel Pendler, nutzen. Knapp neun Millionen Euro will die Deutsche Bahn in die Sanierung des Bondorfer Bahnhofs stecken.

Im kommenden April hätte damit begonnen werden sollen. Doch ein Anwohner fürchtet zusätzlichen Lärm und hat deswegen Einspruch erhoben, wie Bürgermeister Bernd Dürr bedauert. Der von der Bahn angebotene Einbau von Schallschutzfenstern hält der Anwohner - im Gegensatz zu seinen Nachbarn - für nicht ausreichend. Der Bürgermeister ist mit ihm im Gespräch. Sollte das zu keinem Erfolg führen, hat das Scheitern für die Gemeinde weitreichende Folgen. Es müsste ein reguläres Planfeststellungsverfahren mit Anhörung aller Betroffenen in Gang gebracht werden, das viel Zeit und Geld kosten wird.

Bereits jetzt ist klar, dass der Zeitplan zum Umbau des Bahnhofs kaum einzuhalten ist. Bürgermeister Dürr ist dennoch guter Hoffnung, dass die Intercity-Züge nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 Bondorf nicht links liegenlassen, auch wenn der Bahnhof noch nicht ganz fertig sein sollte.

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