Musical Hoher Besuch im SI-Centrum

Judith Caspari trifft auf Prinz Hans Georg Yourievsky.
Judith Caspari trifft auf Prinz Hans Georg Yourievsky. © Foto: Stage Entertainment
Stuttgart / Melissa Seitz 21.09.2018

Judith Caspari hätte sich nie träumen lassen, dass sie irgendwann die Hauptrolle in einem Musical spielt, dessen Geschichte sie schon seit ihrer Kindheit fasziniert. Doch sie hat den Job ergattert: Ab 15. November steht sie als Zarentochter „Anya“ in dem Musical „Anastasia“ auf der Bühne im SI-Centrum.

Noch weniger hätte sie sich aber träumen lassen, dass sie dem letzten Ur-Enkel eines Zaren, einem Nachfahre der Romanows, begegnen wird. Aber genau so ist es gekommen. Im Empfangssaal des Palladium-Theater sitzt sie neben Prinz Hans Georg und Prinzessin Elikonida Yourievsky. Prinz Hans Georg Yourievsky ist wie Anastasia ein Urenkel des Zaren Alexander II. „Es ist magisch,“ sagt Judith Caspari. Sie hat sich intensiv mit den Romanows befasst und jetzt trifft sie plötzlich jemand aus genau dieser Familie. Die Begegnung prägt sie. Sie ist sich sicher: Die Proben werden jetzt viel emotionaler ablaufen.

Dass der 57-jährige Prinz der letzte lebende Urenkel von Alexander II. sein soll, klingt erst einmal unglaubwürdig. Schließlich ist der russischer Kaiser schon 1881 bei einem Attentat ums Leben gekommen. „Viele sagen: Das kann doch nicht sein. Du bist noch so jung“, erzählt der Romanow-Nachfahre. Doch seine Erklärung bringt Licht ins Dunkle. Sein Ur-Opa bekam mit seiner zweiten Ehefrau nochmal einen Sohn. Und als Prinz Hans Georg Yourievsky geboren wurde, war sein Vater 61 Jahre alt.

Dass sein Vater  die Oktober-Revolution überhaupt überlebt hat, war Glück – großes Glück. Er studierte zu dieser Zeit in Cambridge. Heimisch wurden seine Eltern dann in der Schweiz, dort lebt Hand Georg Yourievsky auch noch heute. Die Verbindung zu Russland und seinen Vorfahren sei aber nach wie vor stark. Er und seine Frau beschäftigen sich viel mit ihrem historischen Kulturerbe und arbeiten mit Museen und der russisch-orthodoxen Kirche zusammen.

Was hält er vom Mythos Anastasia? „Meine Eltern haben die Frau besucht, die behauptete, Anastasia zu sein“, erzählt der Romanow-Nachfahre. „Sie berichtete von Dingen, die nur der engste Familienkreis wusste.“ Natürlich seien seine Eltern skeptisch gewesen, ob es sich nicht doch um die Zarentochter handle. Doch es war auch klar, dass die Bolschewiki niemanden hätten überleben lassen. Ein DNA-Beweis brachte letztlich Gewissheit: Die wirkliche Anastasia wurde mit ihrer Familie im Alter von 17 Jahren ermordet.

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