Stuttgart Hohe Unterhalts- und Sanierungskosten zwingen Gemeinden zum Abriss

Der katholischen Kirche St. Peter in Bad Cannstatt droht der Abriss. Auf dem Grundstück soll ein kleinerer Sakralbau entstehen. Die Stiftung Liebenau strebt an, auf der Hälfte des Geländes Räume für Behinderte zu schaffen.
Der katholischen Kirche St. Peter in Bad Cannstatt droht der Abriss. Auf dem Grundstück soll ein kleinerer Sakralbau entstehen. Die Stiftung Liebenau strebt an, auf der Hälfte des Geländes Räume für Behinderte zu schaffen. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / RAIMUND WEIBLE 23.12.2014
Beide großen Konfessionen in Stuttgart reduzieren ihren Gebäudebestand. Zahlreiche Kirchen werden nicht mehr gebraucht, einige davon werden daher abgerissen, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.

Für St. Johannes Vianney in Stuttgart-Mönchfeld sind die Tage gezählt. "Wir wollen die Kirche abreißen", sagt Alexander Lahl vom Katholischen Stadtdekanat. Das Gotteshaus ist zu groß für die kleiner gewordene Kirchengemeinde. Selbst an Weihnachten füllt sich die Kirche nicht mehr ganz. Eine Sanierung wäre zu teuer. Deswegen hat sich die Kirchengemeinde zum Abriss entschlossen. An seiner Stelle soll ein kleinerer Sakralbau entstehen, der weniger Unterhalt kosten wird und in dem sich die geschrumpfte Gemeinde wohler fühlen soll.

St. Johannes Vianney ist kein Einzelfall. Beide großen Konfessionen sind zur Zeit im Begriff, ihren Gebäudebestand zu reduzieren. Sie stellen sich für die Zukunft auf. Den Gemeinden genügen, weil die Zahl der Gottesdienstbesucher abnimmt, kleinere Gotteshäuser. Aber wirtschaftliche Gründe spielen ebenfalls eine große Rolle. Die großen Kirchen verursachen hohe Kosten beim Heizen, und viele befinden sich in einem Zustand, der eine Sanierung dringend erforderlich macht. "Wir passen die Kirchen betriebswirtschaftlich an den Bedarf an", sagt der evangelische Kirchenpfleger Hermann Beck.

An dem Umbau arbeiten die evangelische und die katholische Kirche schon lange. Das evangelische Stadtdekanat hat bereits 2005 ein Konzept für die nächsten 25 Jahre ausgearbeitet. "Wir haben festgestellt, worauf wir verzichten können", sagt Beck, "jetzt sind wir mitten in der Umsetzung. Das sind spannende Prozesse, die allerdings auch Zeit benötigen." Eines der bereits umgesetzten Projekte ist die Rosenbergkirche im Westen. Die Kirche selbst blieb bestehen, aber das in einiger Entfernung liegende Gemeindehaus hat die Gemeinde verkauft. Die Sozialräume fanden Platz im Untergeschoss der Kirche.

In Botnang konzentrieren die Protestanten das kirchliche Leben in der Auferstehungskirche, die Nikodemus-Kirche soll dafür aufgegeben werden. Für die sanierungsbedürftige Berger Kirche im Stuttgarter Osten gibt es den Plan, aus ihr ein Kolumbarium zu machen, einen Raum für die Aufbewahrung von Urnen. Mit den Einnahmen durch das Kolumbarium will die Kirche die Sanierung des Gotteshauses finanzieren. Ob aus der Kirche wirklich eine Grabkapelle wird, steht noch nicht fest. Beck zeigt sich offen. "Wenn es einen besseren Vorschlag gibt, nehme ich ihn gerne."

Zum 1. Januar 2015 tritt bei der katholische Kirche eine Strukuränderung in Kraft. Sie fasst die 16 Seelsorgeeinheiten in zwölf Einheiten zusammen. Für einige Gotteshäuser aus den 1960-er und 1970-er-Jahren kommt das Aus. Die Palotti-Kirche in Birkach wird fallen. Auf ihrem Grund erstellt das kirchliche Siedlungswerk Unterkünfte für Studenten und Flüchtlinge. Die kirchlichen Institutionen prüfen auch den Abriss von St. Peter in Bad Cannstatt. An Stelle der Kirche könnte ebenfalls ein kleinerer Sakralbau mit Gemeinderäumen entstehen. Im März fällt die Entscheidung.

Nach Intermezzo steht Frauenkopf-Kirche wieder leer

Undichtes Dach Für die leer stehende Kirche Mariä Verkündigung auf dem Stuttgarter Frauenkopf sucht die Diözese Rottenburg-Stuttgart nach wie vor eine Verwendung. Zwischen 2006 und Ende 2012 hatte die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche darin Unterschlupf gefunden. Sie zog wieder aus, weil das Dach undicht ist. "Momentan haben wir keine Idee, wie wir die Kirche nutzen können", sagt Stadtdekanats-Geschäftsführer Alexander Lahl.

Flüchtlinge In die Mesner- und die Pfarrerswohnung - zuletzt lebte dort der legendäre Rundfunkpfarrer Josef Anselm Graf Adelmann von Adelmannsfelden - ziehen Flüchtlinge ein. Lahl: "Wir haben sie der Stadt angeboten." In den Wohnungen ist Platz für 18 Flüchtlinge.

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