Nachdem im Mai 1983 der letzte Personenzug fuhr, sollen ab Ende 2018 wieder Züge auf der Strecke der Hermann-Hesse-Bahn rollen. Die geplante Wiederbelebung der württembergischen Schwarzwaldbahn zwischen Calw und Renningen (Kreis Böblingen) ist einen wichtigen Schritt vorangekommen. Die Region Stuttgart, das Landesverkehrsministerium und die Landkreise Böblingen und Calw haben sich auf ein entsprechendes Konzept geeinigt, das in mehreren Stufen umgesetzt werden kann.

In einem ersten Schritt soll über fünf bis zehn Jahre der Betrieb der Bahnstrecke mit Dieselfahrzeugen erfolgen. Diese Inbetriebnahme ist den Angaben zufolge wiederum in zwei Bauabschnitte aufgeteilt - von Calw bis Weil der Stadt und von Weil der Stadt bis Renningen. In der zweiten Stufe soll entweder vollständig auf umweltfreundliche Brennstoffzellen-Fahrzeuge umgestellt oder die Strecke elektrifiziert sowie die S-Bahn-Linie 6 bis Calw verlängert werden.

Mit dem nun gefundenen Kompromiss ist der drei Jahre währende Konflikt in der Region um die Frage, ob die Bahn nur bis Weil der Stadt oder doch bis Renningen fahren soll, erst einmal beigelegt. Die Regelung enthält auch zwei Formulierungen, die Befürchtungen in Weil der Stadt und Renningen zerstreuen soll. Demnach bleibt die S-Bahn bis Weil der Stadt ohne Einschränkungen. Zudem hat die Linie S 6 ganz klar Vorrang vor der Hesse-Bahn.

Grünen-Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: "Mit diesem Stufenkonzept ist es gelungen, die verschiedenen Interessen und Vorschläge zusammenzuführen." Der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU) ergänzte, die Förderung der Hermann-Hesse-Bahn sei ein Meilenstein für das Mobilitätsangebot für die Bürger in der Region Calw. "Wir schaffen mit dieser Schienenanbindung eine hervorragende Anbindung an den Landkreis Böblingen und in die Region Stuttgart." Die Regionaldirektorin des Verbandes, Nicola Schelling, erklärte: "Für den Verband ist wichtig, dass die Option für die S-Bahn erhalten bleibt und wir in eine vertiefte Prüfung einsteigen." Der Böblinger Landrat Roland Bernhard (parteilos) sprach von einem guten Kompromiss. Das Land will das Vorhaben mit bis zu 25 Millionen Euro unterstützen. Die restlichen Kosten müssen die beteiligten Kommunen und Kreise tragen.

Einen ersten Anlauf zur Wiederbelebung der Strecke hatte es bereits 2008 gegeben. Angestoßen von den Landkreisen Böblingen und Calw. Doch dann entwickelte sich das Ganze zu einer mehrjährigen Hängepartie. Erst als sich dann im Jahr 2013 der Landesverkehrsminister in die Debatte einschaltete, kam wieder Bewegung in die Sache - bis zum abschließenden Kompromiss.