Unterbringung Hektische Suche nach Buden

Der Bau der Studentenwohnheime auf dem Vaihinger Campus geht voran. Doch neuen Einheiten reichen nicht aus, um die Unterbringungsprobleme der Studenten zu beheben.
Der Bau der Studentenwohnheime auf dem Vaihinger Campus geht voran. Doch neuen Einheiten reichen nicht aus, um die Unterbringungsprobleme der Studenten zu beheben. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Barbara Wollny 29.08.2018

Auf den ersten Blick sieht das ganz gut aus. Im Minutentakt gibt es neue Zimmer-Angebote auf dem Wohnungsportal „WG-gesucht“. Beim genaueren Hinsehen ist das „nette WG-Zimmer im begehrten Stuttgarter Westen“ allerdings nur bis 1. Oktober zu haben. Ein anderes, acht Quadratmeter kleines Souterrain-Zimmer soll für den stolzen Preis von 400 Euro vermietet werden – kein Wunder, dass das noch frei ist.

Bei einem anderen Angebot scheint es sich um eine Traumbude zu handeln: 14 Quadratmeter für supergünstige 180 Euro inklusive Telefonflatrate, Aufzug, WLAN, Garten, Putzdienst und Spülmaschine, fast wie bei Muttern. Kleiner Haken: es handelt sich um ein Verbindungszimmer. Davon scheinen eine ganze Reihe leer zu stehen und auf vorwiegend männliche und trinkfeste Neumieter zu warten.

Wenn Studenten eine Bleibe in der Stadt suchen, sind Geduld und Geld gefragt. „Die Situation hat sich nicht entspannt“, erklärt Stefan Brauckmann vom Berliner Moses-Mendelssohn-Institut. Seit sechs Jahren analysiert das Institut die Wohnsituation von Studenten in 90 Uni-Städten. Letztes Jahr landete Stuttgart auf dem dritten Platz der Kommunen, in denen Studenten die größten Probleme haben, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Daran wird sich auch in der neuen Analyse nicht viel ändern, die Ende des Monats erscheint.

4000 auf der Warteliste

Knapp 50 000 Studenten gibt es in der Stadt, rund 62 000 sind es in der Region einschließlich der Hochschulen in Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen, die vom Studierendenwerk Stuttgart betreut werden. Dort sind die Probleme nur zu gut bekannt. Rund 7200 Wohnheimplätze bietet das Studierendenwerk (Stuwe), die bei weitem nicht ausreichen. Durchschnittlich 4000 Studierende stehen auf der Warteliste, aber nur 2005 Zimmer werden zum Wintersemester frei. Bis November werden deshalb potentielle Vermieter mit der Anzeigenkampagne  „Platz für Studierende“ angesprochen.

„Wir schaffen in den kommenden vier Jahren gut 1400 zusätzliche, dringend benötigte Wohnplätze für Studierende. Dennoch ist und bleibt die Situation auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt angespannt“, sagt Stuwe-Geschäftsführer Tobias Burchard.

Zum sechsten Mal in Folge arbeitet die Organisation deshalb auch mit Haus und Grund in Stuttgart zusammen. 21 000 Besitzer von Häusern und Wohnungen sind Mitglied und vermieten rund 75 000 Wohnungen. 

Leerstände gibt es in Stuttgart zwar nur wenige, aber „wir appellieren an unsere Mitglieder, die eigenen Objekte nach bisher ungenutzten beziehungsweise nicht mehr genutzten Räumen zu durchforsten“, sagt Geschäftsführer Ulrich Wecker. Das Studierendenwerk stellt mit der Online-Plattform „www.platz-fuer-studierende.de“ ein Portal für die Privatzimmervermittlung bereit, das kostenfrei ist. Doch auch hier sind die Angebote spärlich.

Seit zwei Wochen läuft die aktuelle Kooperation und täglich werden ein bis zwei Anrufe von interessierten Immobilienbesitzern registriert. „Grundsätzlich ist die Bereitschaft vorhanden, an Studenten zu vermieten“ sagt Johannes Ohnesorg von Haus und Grund. Die Anrufer möchten sich häufig zu speziellen Fragen beraten lassen. Zum Beispiel, ob Eltern mit einer Bürgschaft die Mietzahlung absichern können.

Die Region Stuttgart als attraktiver Wissenschaftsstandort ruft auch das Interesse von Investoren hervor. In einem aktuellen Report der Immobiliendienstleister CBRE landet Stuttgart auf Platz 6 von 50 Kommunen, in denen der Bau von privaten Studentenwohnheimen als renditestarkes Investment empfohlen wird. Im Gegensatz zu den Heimen von kommunalen oder kirchlichen Trägern und durchschnittlichen Zimmerpreisen von 280 Euro soll sich diese Anlage aber rentieren. Marcus Pesch von der CBRE Berlin: „Moderne Wohnheime bieten ein eigenes Bad und eine eigene Kochnische sowie eine hervorragende technische Infrastruktur. Die Preise dafür liegen zwischen 25 und 30 Euro pro Quadratmeter.“ Da braucht der Student ein etwas größeres Budget als nur die Bafög-Wohnzulage und das Zubrot durch den Lidl-Job.

Infokasten
Die Bewerberzahlen sinken um 16 Prozent

Wie schon im Vorjahr bewarben sich deutlich weniger Anwärter zum Wintersemester 2018/19 um einen Studienplatz an der Universität Stuttgart. Damit liegt die Uni im Trend. Allerdings werden zu Semesteranfang doch alle Studienplätze besetzt sein. Mit 30 026 (Vorjahr 35 644) sank die Anzahl der Gesamtbewerbungen um 16 Prozent.

Die Spitzenreiter bei den Studiengängen sind jedoch gleichgeblieben: Nummer eins ist der Masterstudiengang Betriebswirtschaftslehre (1457 Bewerbungen), gefolgt von den Bachelorstudiengängen Maschinenbau (1069), Technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre (919) sowie Luft- und Raumfahrt (861). bw

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel