Lieferservice Handel reagiert auf Feinstaub-Problematik

Der Elektrobus „Mr. Brings“.
Der Elektrobus „Mr. Brings“. © Foto: Foto: Daimler AG
Dominique Leibbrand 12.11.2016

Angesichts von Feinstaub-Alarm und drohender Fahrverbote ist ökologisches Handeln in Stuttgart das Gebot der Stunde. Das hat auch der Einzelhandel erkannt: Gleich mehrere Akteure setzen nun auf umweltfreundliche Lieferservices. Den Anfang hat der Gerberviertel-Verein gemacht. Leute, die an Feinstaub-Alarm-Tagen in dem Quartier einkaufen, können sich ihre Tüten noch am selben Tag kostenlos per Lastenrad nach Hause liefern lassen.

Das Angebot gilt im Stadtgebiet von Stuttgart. Es solle ein zusätzlicher Motivator sein, ohne Auto Einkaufen zu gehen, sagt Quartiersmanager Hannes Wolf. Im Kampf gegen Feinstaub könne jeder einen Beitrag leisten. Für ein Fazit über die Nachfrage sei es jedoch zu früh, ergänzt der Gerber-Manager Kemal Düzel, der auch sagt: „Wir wollen jetzt Lösungsansätze testen – für den Fall, dass Fahrverbote eingeführt werden.“

Auch das Buchhaus Wittwer ist auf die grüne Welle aufgesprungen und bietet einen Pedelec-Service an. „Gerade als Stuttgarter Traditionshaus möchten wir ein Zeichen setzen für die Zukunft unserer Stadt“, sagt der Geschäftsführer Rainer Bartle. Ab einem Einkauf von 50 Euro ist der Service in der Weihnachtszeit kostenfrei.

Gerberviertel und Wittwer arbeiten beide mit der Firma Velocarrier zusammen, die mittlerweile 200 Firmen aus Stuttgart zu ihren Partnern zählt. Dazu gehören neben Einzelhändlern auch Apotheken und Kliniken. Mit Tendenz zur Expansion: Man sei mit weiteren Unternehmen in Gesprächen, sagt Sebastian Bühler, der für den Standort Stuttgart verantwortlich ist.

Die Firma Daimler hat mit „Mr. Brings“ ein eigenes Konzept entwickelt. Das funktioniert ähnlich wie bei Velocarrier. Kunden können ihre Einkäufe freitags und samstags gegen eine Gebühr von sechs Euro abgeben und „Mr. Brings“, ein Elektro-Van, fährt die Tüten nach Hause. Der Bus steht an der Ecke Königstraße/Rotebühlplatz. Das Ganze ist als Pilotprojekt angelegt und soll zunächst bis Frühjahr 2017 laufen.

Geboren wurde das Projekt, das von Daimler Business Innovation verantwortet wird, in der Daimler-Ideenschmiede, die sich auch für die E-Smart-Flotte und die Mobilitätsplattform „Moovel“ verantwortlich zeichnet. Auf lange Sicht sei das Ziel, Kooperationen mit Läden einzugehen. Kunden sollen ihre Einkäufe dann direkt in den Geschäften abgeben könne, erklärt Projektleiter Dirk Reimelt.

Ausschlaggebend freilich ist die Nachfrage. Dass die grundsätzlich da ist, da sind sich die Initiatoren aber sicher. Man habe im Vorfeld Leute in Stuttgart zum Angebot befragt und positive Rückmeldungen erhalten. Reimelt: „Sonst hätten wir es nicht gemacht.“ Dominique Leibbrand