Weihnachtsgeschäft Händler setzen auf den letzten Samstag

Rein optisch würde man gute Geschäfte vermuten: Die Stuttgarter Königstraße brummt.
Rein optisch würde man gute Geschäfte vermuten: Die Stuttgarter Königstraße brummt. © Foto: Ferdinando Iannone
Caroline Holowiecki 21.12.2017

Süßer die Kassen nie klingeln. Im Weihnachtsgeschäft wird laut dem Handelsverband Baden-Württemberg ein Fünftel des Jahresumsatzes gemacht, und 2017 haben es die Geschäftsleute besonders nötig, weil das Jahr insgesamt nicht zufriedenstellend war. Hilmar Pfister, der Verbandssprecher, spricht von einer „Gesamtmisere“. Der Oktober etwa brachte ein Umsatzminus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr, der November war auch schwach, das Adventsgeschäft  bislang durchwachsen. Als Glanzpunkt bezeichnet Sabine Hagmann, die Verbandsgeschäftsführerin, den dritten Adventssamstag, der sei „der bisher beste“ gewesen. Den Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts erwarteten die Händler jedoch erst am kommenden Samstag. Viele Kunden hätten sich noch nicht entschieden, welche Geschenke sie kaufen wollen.

 Auch Bettina Fuchs, die Stuttgarter City-Managerin, erwartet den 23. Dezember mit Spannung. Das Grundproblem: Eine Adventswoche fehlt, der vierte Advent ist ja schon Heiligabend. Jetzt, im Endspurt, haben die lokalen Geschäfte einen Vorteil gegenüber dem Onlinehandel. Wer kurz vor knapp sichergehen will, dass am Sonntag etwas unterm Baum liegt, kauft vor Ort. „Die letzte Woche wird noch mal den entscheidenden Ausschlag geben“, glaubt Bettina Fuchs, und auch zwischen den Jahren sollte es brummen, denn zum einen bekommen viele ihr Gehalt, zum anderen wollen Geldgeschenke und Gutscheine, die sich zu Topsellern mausern, eingelöst werden.

Der dritte Adventssamstag, an dem lange Einkaufsnacht war, sei vielversprechend gewesen. Doch Bettina Fuchs moniert, dass sich viele Geschäfte in den Nebenquartieren nicht beteiligt hätten. Währenddessen hätten anderswo die Kassen geklingelt – auch wegen längerer Öffnungszeiten des Weihnachtsmarkt. Bei Breuninger etwa sei die Ski-Abteilung gut besucht gewesen, hat sie erfahren, aber auch Weihnachtsdeko oder Luxusartikel wie Handtaschen oder Schals seien rege gekauft worden. Darüber hinaus sind laut Handelsverband die Klassiker in: Spielwaren wie Brettspiele, Konsolen, Lego und Playmobil, ebenso Uhren, Schmuck und Süßes.

In der Schlossparfumerie auf der Königstraße läuft es ebenfalls gut. „Wir sind froh, wenn wir alle, die reinkommen, bedienen können“, sagt Claudia Wolff, parallel wird ein Internetshop betrieben. Michaela Zopf, die Centermanagerin der Königsbaupassagen, berichtet von durchweg zufriedenen Mietern, besonders gut würden  Elektronikartikel, im Speziellen Smartphones, verkauft. Und die Innenstadtjuweliere winken bei Gesprächsanfragen direkt ab – zu viel los in den Geschäften.

 Doch nicht alle sind zufrieden, in „mögliche Jubelarien einstimmen“ möchte der Geschäftsführer der Buchhandlung Wittwer, Rainer Bartle, noch nicht.  Frequenz und Kauflust seien bis Anfang der Woche zu verhalten gewesen – wie schon länger. „Die Stadt tut alles dafür, damit die Menschen nicht in die City fahren“, moniert er angesichts der Diskussionen um Feinstaub und Fahrverbote. Auch Bettina Fuchs sieht darin und in Dauerbaustellen Dämpfer. Negative Bilder verankerten sich zunehmend in den Köpfen, und „es ist nicht so, dass die Menschen keine Alternativen hätten. Wir in Stuttgart können uns daher gar nicht genug anstrengen.“

Neueröffnungen wie die des Dorotheenquartiers, das ihrer Beobachtung zufolge die Schulstraße belebt, oder zuletzt der Primark-Filiale auf der Königstraße brächten viel, so Fuchs weiter. Ob er Klamotten-Discounter auch mehr Frequenz bringt, könne man noch nicht beurteilen.  Jedenfalls bleibe die Innenstadt so im Gespräch

Gewerbsmäßiger Diebstahl als Massenproblem

Schaden Diebe machen dem Handel zunehmend zu schaffen. Jüngst beklagte der Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg, Hermann Hutter, dass Täter immer dreister vorgingen und das Personal stark verunsicherten. Den Schaden im Südwesten für den Handel schätzte er auf bis zu 700 Millionen Euro im Jahr.

Profis Die Polizei Stuttgart hat es täglich mit Ladendieben zu tun, meist mit Profis. Laut Sprecher Jens Lauer kommen mehrfach die Woche Täter in Haft, und „das sind nicht die Gelegenheitsdiebe“. Viele hätten präparierte Tüten oder zögen sich Kleider schichtweise unter dicke Jacken, nachdem sie Sicherungen mit Spezialgerät entfernt hätten. Am Freitag etwa wurde ein Täter mit zehn Parfüms für knapp 1000 Euro unterm Pulli ertappt. Generell beliebt sind Parfüms, Markenkleidung und Elektrogeräte. car