Stuttgart Gegen rechte Gewalt

Die Leiter der Beratungsstelle "Leuchtlinie" gegen rechte Gewalt, Heval Demirdögen (links) und Christine Uhlmann. Die Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg ist Träger der neuen Einrichtung.
Die Leiter der Beratungsstelle "Leuchtlinie" gegen rechte Gewalt, Heval Demirdögen (links) und Christine Uhlmann. Die Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg ist Träger der neuen Einrichtung. © Foto: dpa
Stuttgart / SARA VOGT 03.03.2016
Wo fängt rechte Gewalt an und wie kann den Opfern schnell geholfen werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Beratungsstelle "Leuchtlinie" in Stuttgart - und setzt dabei auf Netzwerkbildung.

Gökay Sofuoglu ist besorgt: "Wir beobachten, dass rechte Gewalt immer mehr wird", sagt der Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg (TGBW). Rechte Gewalt rücke näher in die Mitte der Gesellschaft. "Man sieht nicht nur Häuser brennen, sondern auch Menschen, die es beklatschen."

Die neu eingerichtete Beratungsstelle "Leuchtlinie" mit Sitz im Stuttgarter Westen will Opfern von rechter Gewalt schnelle und unbürokratische Hilfe anbieten. Den Anstoß zur Gründung gab im vergangenen Jahr das Land Baden-Württemberg, das die TGBW als Träger auswählte. Der Verein kümmert sich mit weiteren Partnern um den Aufbau und betreibt nun die Koordinationsstelle.

"Ausschlaggebend war das plausible Konzept der Vernetzungsstruktur", erklärt Wolfgang Antes von der Jugendstiftung Baden-Württemberg die Entscheidung, die TGBW zu beauftragen. Der Verein will in jedem Landkreis einen Beratungsprofi aus dem sozialen oder psychologischen Bereich einsetzen. Finanziert wird das Ganze durch das Land, das der Beratungsstelle im Haushalt 2015/2016 ein Budget von 250 000 Euro für das laufende Jahr - und 150 000 Euro für das vergangenen Jahr zu Verfügung stellte.

Im Oktober fingen die Mitarbeiter von "Leuchtlinie" damit an, ihr Netzwerk auszubauen. Vor allem vorhandene Strukturen sollen genutzt und die Berater vor Ort speziell für den Umgang mit Opfern von rechter Gewalt geschult werden. In gut einem Viertel der Landkreise gebe es schon eine konkrete Person, berichtet Christine Uhlmann von "Leuchtlinie".

Aktuell arbeiten die Mitarbeiter der Stelle bereits an zehn Fällen, wie Projektleiter Heval Demirdögen erläutert. Die Beratung sei kostenlos und könne auch anonym erfolgen. Wählt ein Betroffener die Hotline der Beratungsstelle, erhält er Auskünfte über Ansprechpartner und Hilfsangebote in seinem Landkreis. Arztbesuche und Behördengänge können, falls gewünscht, zusammen mit einem Mitarbeiter gemacht werden.

Die Betroffenen erhalten zudem Unterstützung in juristischen Fragen und werden bei Strafverfahren begleitet. Auch Zeugen solcher Gewalttaten können sich bei der Beratungsstelle melden, denn nicht nur die Betroffenen bräuchten Hilfe, auch das soziale Umfeld könne nach solch einem Erlebnis Hilfe bei der Bewältigung benötigen, weiß Demirdögen.

"Leuchtlinie" soll aber auch sensibilisieren. Rechte Gewalt sei weit mehr als Gewalt gegen Menschen mit Migrationshintergrund, so Demirdögen. Unter den Begriff "Rechte Gewalt" fielen auch Angriffe auf Homosexuelle und Behinderte. Für den Projektleiter ist klar: "Gemeinsam sind wir stark." Daher soll die Beratungsstelle nicht nur die Opfer von Gewalt unterstützen, sondern auch einen Schulterschluss der verschiedenen Beratungs- und Unterstützungssysteme in Baden-Württemberg anregen.

Info Die Nummer der Hotlinie lautet: 0711/ 88 89 99 33

Türkische Gemeinde bietet regelmäßig Fortbildungen an

Gründung Die Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg (TGBW) ist mit einer hauptamtlich besetzten Geschäftstelle im Stuttgarter Westen tätig. Gegründet wurde der Verein 1999 und setzt sich aus verschiedenen Vereine unterschiedlicher Ausrichtung zusammen. Dabei macht er sich auf verschiedenen Ebenen für die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund stark.

Schwerpunkte Das Hauptaugenmerk liegt auf Inklusion sowie der Vermittlung von Aus- und Weiterbildung für Menschen nichtdeutscher Herkunft. Darüber hinaus ist der Verein eine Anlaufstelle für Betroffene von Diskriminierung. Die TGBW betreut regelmäßig Fortbildungen, die sich gezielt an Vereine und Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe richten.

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