Stuttgart Geblitzt mit Tempo 158

Blick von der Konrad-Adenauer-Straße zum Charlottenplatz: Hier ist einer von 19 Standorten in Stuttgart , an denen geblitzt wird.
Blick von der Konrad-Adenauer-Straße zum Charlottenplatz: Hier ist einer von 19 Standorten in Stuttgart , an denen geblitzt wird. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / OLIVER SCHMALE 13.02.2015
Der Ausbau der Tempo-Überwachung in Stuttgart hat Folgen: Noch nie wurden in der Landeshauptstadt so viele Temposünder geblitzt wie 2014. Vor allem die neue Anlage am Schattenring erwies sich als effizient.

Radarfallen - die einen halten sie für Schikane, die anderen für ein notwendiges Mittel, um die Autofahrer zu disziplinieren. In den letzten Jahren ist die Zahl der Messgeräte gewachsen. Der neue Rekord bei den Temposündern ist deshalb nicht verwunderlich: Im vergangenen Jahr blitzte es in 274 167 Fällen. 2013 gab es nach Angaben der Stadt Stuttgart 232.082 Verstöße.

Aktuell gibt es 19 Standorte mit 32 Geschwindigkeits-Messanlagen in der Stadt. Weil oftmals mehrere Spuren überwacht werden, gibt es mehr Blitzer als Standorte. Am häufigsten ging den Fahrern am Schattenring ein Licht auf. Diese Anlage gibt es erst seit November 2013. An diesem Punkt der Bundesstraße 14 überschritten 80 252 Autofahrer das Limit. Der Schnellste war mit Tempo 122 unterwegs. Von den Temposündern am Schattenring erhielten 75 ein Fahrverbot.

Die Starenkästen zur Unfallverhütung sind in Stuttgart in der Mehrzahl. "Bei dem zu überwachenden Bereich muss es sich um eine in besonderem Maße schutzwürdige Zone handeln", sagte ein Sprecher der Stadt. Dazu zählten Orte vor Schulen, Kindergärten, Seniorenheimen. Überwacht werden aber auch zweispurige Straßen mit hoher Verkehrsbelastung, auf denen es häufiger zu Unfällen kommt, weil zu schnell gefahren wird.

2014 wurden in Stuttgart 482 Fahrverbote verhängt. Hinzu kommen noch 379 Fahrverbote infolge mobiler Messanlagen. Insgesamt gaben 861 Personen zeitweise der Führerschein ab. Besonders eilig hatte es ein Temposünder auf der B10/B27. Anstatt der erlaubten 80 war er mit 158 Stundenkilometern unterwegs. Die Anlage dort wurde wegen der hohen Feinstaubwerte eingerichtet. Sie soll die Autofahrer dazu anhalten, das Tempo zu drosseln. Insgesamt gibt es im ganzen Stadtgebiet sechs Standorte mit 13 solchen Messplätzen.

Der von Gewerkschaften gegründete und in Stuttgart ansässige Auto Club Europa (ACE) sieht in der Geschwindigkeitsüberwachung per Blitzer grundsätzlich einen wirksamen Beitrag für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Zugleich warnt er vor einem Zerrbild der in Deutschland herrschenden Verkehrsmoral. "Sie ist nicht generell schlechter geworden. Wenn aber bei Blitzern aufgerüstet wird, wächst für Temposünder natürlich das Entdeckungsrisiko. Je höher die Kontrollintensität, desto mehr Geschwindigkeitsübertretungen werden registriert." Der Autoclub sprach sich zugleich dafür aus, in der Verkehrsüberwachung nicht ausschließlich auf repressive Maßnahmen zu setzen. "Mit polizeilichen Anhaltekontrollen und unmittelbar auf Fehlverhalten folgenden verkehrserzieherischen Gesprächen direkt am Tatort lässt sich möglicherweise mehr Gutes bewirken als durch einen zeitlich versetzten Bußgeldbescheid, der auf dem Küchentisch landet", so Sprecher Rainer Hillgärtner auf Anfrage .

Auch in den Tempo-30-Zonen der Stadt blitzte es 2014 häufiger: Hier wurden 42 373 Verstöße gezählt. 2013 waren es 35 048 Fälle.

73 Beschäftigte überwachen den ruhenden Verkehr

Schwarze Null Nicht nur der fließende Verkehr, sondern auch der ruhende Verkehr in Stuttgart wird überwacht. Das ist nach Angaben der Stadtverwaltung gerade noch kostendeckend. In der Regel steht am Schluss eine schwarze Null. Gegenwärtig sind im Bereich des ruhenden Verkehrs 73 Beschäftigte im Einsatz, im Jahr 2014 wurden 9,76 Millionen Euro eingenommen.

Bequemlichkeit Leider machten die Ordnungshüter immer wieder die Erfahrung, dass Autofahrer aus reiner Bequemlichkeit oftmals einen Platz zum Parken nutzen, der möglichst nahe an ihrem Ziel liegt, beispielsweise auf dem Gehweg, in zweiter Reihe oder in Kreuzungsbereichen. Insgesamt gibt es in Stuttgart rund 13 000 Stellplätze in Parkhäusern.

 

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