Betriebsmannschaften Fußball verbindet Kollegen weltweit

Julian Hofacker (rechts) ist einer der Aktivposten der Betriebsmannschaft. Michael Korom (Anzug) managt das Team.
Julian Hofacker (rechts) ist einer der Aktivposten der Betriebsmannschaft. Michael Korom (Anzug) managt das Team. © Foto: Julian Rettig
Stuttgart / Rainer Lang 30.06.2018

Mit dem Ausscheiden der deutschen Elf ist die Fußball-WM für Michael Korom und Julian Hofacker eigentlich vorbei. Sie gehören zum Team „Lapp Headquarters“ in Stuttgart, das beim diesjährigen Wettstreit von 28 Lapp-Mannschaften aus aller Welt Anfang Juni in Lissabon den zweiten Platz erreicht hat. Gescheitert ist die Betriebsmannschaft vom Hauptsitz des Kabelherstellers Lapp in Stuttgart-Vaihingen am Ende etwas unglücklich am Team Ceam aus Italien im Elfmeterschießen.

Beide haben sie mit der deutschen Nationalmannschaft mitgefiebert. Aber alles Daumendrücken hat nichts geholfen. Am Ende gab es in der Firma nach der Übertragung auf der Großleinwand viele enttäuschte Gesichter. Aber das hat die Fußballeuphorie beim Vizemeister von Lissabon nicht gebremst. Michael Korom freut sich schon auf das nächste Turnier im kommenden Jahr in Kapstadt.

Trikots immer griffbereit

Die Trikots liegen im Büro in der Schublade jederzeit griffbereit. Das Training auf dem Platz des TSV Rohr/SV Vaihingen beginnt erst wieder nach der Sommerpause und nimmt dann drei Monate vor dem jährlichen Turnier wieder richtig Fahrt auf. „Dann ist der Trainingsplatz voll“, sagt Korom. Der Vertriebsleiter für den Elektrogroßhandel in Deutschland hat das Team „Lapp Headquarters“ ins Leben gerufen.

Seit 26 Jahren arbeitet der 49-Jährige in der Firma und war bei fast allen Turnieren dabei. Aktiv ins Spielgeschehen greift er aber nicht mehr ein, sondern agiert wie Oliver Bierhoff bei der Nationalmannschaft als Teammanager. „Angefangen hat alles vor 25 Jahren mit vier Mannschaften in Frankreich als kleines internes Turnier“, erinnert sich Korom, der in seiner Jugend beim TSV Mühlhausen gespielt hat.

Seit 1993 organisiert das Familienunternehmen jedes Jahr für die Mitarbeiter weltweit ein internationales Fußballturnier. Der Austragungsort wechselt von Jahr zu Jahr, so dass immer eine andere Auslandsgesellschaft der Lapp-Gruppe Gastgeber des Events mit mehreren hundert Teilnehmern ist. Darunter waren Orte wie Bukarest, Luxemburg, Atlanta oder Singapur. „Die europäischen Metropolen haben wir schon alle durch“, erzählt Korom. Vergangenes Jahr gab es mit rund 1700 Teilnehmern einen Rekord in Stuttgart anlässlich der Einweihung der neuen Europazentrale.

„Als große Motivation für die Mitarbeiter“ empfindet Korom diese internationale Ausrichtung. „Das Schöne an diesem Betriebssport ist auch das Networking“, fügt er hinzu. Die Turniere böten die Gelegenheit, Kollegen aus anderen Abteilungen und Ländern zu treffen. Bei fast 3800 Mitarbeitern weltweit würden sich die meisten nur per Mail kennen.

Genauso wie das Unternehmen wollen sich auch die Fußballer präsentieren. „Erfolgsorientiert und familiär“, so lautet das Credo. Das bestätigt auch Koroms Kollege Julian Hofacker. Der Industriekaufmann ist einer der Aktivposten der Mannschaft. Er spielte in dieser Saison noch in der Landesliga-Staffel 2 beim 1. FC Frickenhausen. Seit vier Jahren kickt er in der Betriebsmannschaft. Und das macht ihm „absolut Spaß“. Ehrgeizig sind die Spieler durchaus auch. „Wir möchten schon immer bei den ersten sein“, sagt der 25-Jährige.

Ein guter sportlicher Ausgleich zum Arbeitsalltag ist der Fußball allemal. So gibt es bei Lapp in Stuttgart Teams für unterschiedliche Ansprüche. Ältere Spieler sind eher bei den „Lapp Allstars“ aktiv. Das „Ölflex“-Team ist dagegen Konkurrent im Titelkampf. Das sei firmenintern vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Bayern München und Dortmund, erklärt Hofacker.

 „Auf der Suche nach neuen Spielern achte ich schon darauf, dass die Leute einigermaßen Fußball spielen können“, erklärt Korom. Deshalb versucht er auch schon mal, Spieler von anderen Mannschaften bei Lapp abzuwerben. Der Teammanager freut sich nicht nur über sein „sehr, sehr gutes Team“, sondern auch über die Unterstützung durch die Familie Lapp. Die Hälfte der Reise- und Hotelkosten zum jährlichen Turnier, das in der Regel drei Tage dauert, übernimmt die Firma. So eine Förderung sei in der Regel nur bei großen Unternehmen üblich.

Ab und zu messen sich die Lapp-Kicker auch mit Teams von anderen Unternehmen und Vereinen in Stuttgart, zum Beispiel von der Dekra oder den Prominentenkickern. Da gehe es nicht um einen Titelkampf, sondern um den Spaß am Spiel. Deshalb freuen sich Michael Korom und Julian Hofacker schon darauf, wenn es nach der Sommerpause endlich wieder richtig losgeht.

3770 Mitarbeiter und 17 Fertigungsstandorte

Führend Die Lapp-Gruppe mit Sitz in Stuttgart ist nach eigener Aussage einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie, vor allem für den Maschinen- und Anlagenbau. Lapp beschäftigt weltweit rund 3770 Mitarbeiter, verfügt über 17 Fertigungsstandorte sowie rund 40 Vertriebsgesellschaften und kooperiert mit rund 100 Auslandsvertretungen.

Umsatz Die 1959 gegründete Unternehmensgruppe erzielt einen Umsatz von über einer Milliarde Euro im Jahr und befindet sich bis heute vollständig in Familienbesitz. Der Vorsitzende des Vorstands der Lapp Holding AG, Andreas Lapp, ist Honorarkonsul von Indien für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Er richtet in Mumbai, einer Partnerstadt der Landeshauptstadt, seit Jahren das Weinfestival „Stuttgart meets Mumbai“ aus. lan

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