Feuerwerk Für ein Böllerverbot wird weiter getrommelt

Feuerwerk verursacht höhere Feinstaub-Konzentrationen.
Feuerwerk verursacht höhere Feinstaub-Konzentrationen. © Foto: Foto: dpa
Caroline Holowiecki 29.12.2017
Durch Raketen schießen in der Silvesternacht die Feinstaubwerte in die Höhe. Ein Verbot lehnt die Stadt dennoch ab. Gegner versuchen zu sensibilisieren.

Die Zahlen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) lassen keinen Zweifel dran: Silvesterböller sind schlecht fürs Stadtklima. So lag der Feinstaub-Tagesmittelwert am ersten Tag dieses Jahres am Stuttgarter Stadtgarten bei 202 Mikrogramm, in der Hohenheimer Straße sogar bei 254 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – erlaubt sind 50. Ein Bericht des Umweltbundesamtes von Ende 2015 spricht von rund 4000 Tonnen Feinstaub, die jährlich durchs Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Deutschland freigesetzt werden. „Das entspräche etwa 15 Prozent der jährlich durch den Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge“, so Tatjana Erkert, Sprecherin der LUBW. Außerdem entstünden bei diesen Verbrennungsprozessen ultrafeine Partikel, die leichter in die Lunge und von dort ins Blut gelangten und Krankheiten auslösen könnten.

Nicht zuletzt deswegen werden immer wieder Rufe nach einem Böllerverbot laut. Der BUND-Regionalverband etwa regte bereits vor einem Jahr an, in der Stuttgarter Innenstadt das Abbrennen von privaten Raketen zu verbieten und stattdessen ein zentrales Spektakel zu veranstalten. Nach wie vor hält der Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer an der Forderung fest, denn „der Trend geht bei vielen weg von der Einzelrakete zur richtigen Batterie“. OB Fritz Kuhn (Grüne) nagelt er auf seine Aussage fest: Beim Feinstaub gelte es, jedes Mikrogramm zu vermeiden. Die AfD-Landtagsfraktion forderte ebenfalls schon Ende 2016, Knaller aus der Stadt zu verbannen. Die Stadt hat dies auf Initiative Kuhns gemeinsam mit der Polizei unter die Lupe genommen – und dem Verbot eine Absage erteilt. Laut Ordnungsbürgermeister Martin Schairer ermögliche das Sprengstoffrecht zwar ein Verbot in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern zum Lärm- und Brandschutz, zum Schutz der Gesundheit aber sehen weder das Sprengstoffrecht noch das Immissionsschutzrecht ein Verbot vor, so Schairer. Letztlich stehe jeder in der Verantwortung, etwas zur Senkung der Luftbelastung beizutragen.

Einige Bürger haben das bereits in die Hand genommen. Die Initiative „Stuttgart holt Luft“ hat beim Bürgerhaushalt für ein zentrales Feuerwerk in jedem Stadtteil geworben und war mit der Idee auf Platz 126 gelandet. Ende 2016 hatte überdies eine Privatgruppe in Sillenbuch auf den „umweltschädlichsten Tag im Jahr“ aufmerksam gemacht und mit Handzetteln auf den Feinstaub, auf Kinderarbeit in der Böller-Produktion, die Torturen für Tiere, den Müll und giftige Kleinstteile im Boden hingewiesen. Auch in diesem Jahr will die Gruppe wieder informieren, erklärt das Mitglied Inga Ritter. Auch wenn sie von einigen Nachbarn Unverständnis erntete, „hoffe ich, dass irgendwann die Erkenntnis kommt, und das kann man nur durch permanentes Erinnern erreichen“.