Nahverkehr Führerschein gegen ÖPNV-Ticket

So mancher Senior fährt lieber S-Bahn als Auto.
So mancher Senior fährt lieber S-Bahn als Auto. © Foto: dpa
Stuttgart / Dominique Leibbrand 06.07.2018

Senioren, die im Kreis Ludwigsburg freiwillig ihren Führerschein abgeben, erhalten seit 2015 im Gegenzug ein Jahr lang ein kostenfreies ÖPNV-Ticket für das ganze Netz. Zwei Fliegen werden mit einer Klappe geschlagen: Mehr Bürger steigen auf Bus und Bahn um, außerdem wird die Verkehrssicherheit erhöht. Das Projekt ist laut Horst Stammler, Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS), erfolgreicher als erwartet: Seit der Einführung hätten fast 1700 Senioren ihre Führerscheine gegen eine Fahrkarte getauscht. „Wir hatten mit 100 gerechnet.“ Tatsächlich seien es anfangs 100 pro Woche gewesen, mittlerweile landeten beim Landratsamt im Schnitt 30 Führerscheine pro Monat. Weil die Nachfrage anhält, wurde das Projekt zunächst bis Ende 2020 verlängert.

80 Prozent der Teilnehmer sind weiblich, was dafür spreche, dass Frauen vernünftiger seien, sagt Stammler mit einem Augenzwinkern. Im Schnitt seien sie 80 Jahre alt. Was den VVS freut: 70 Prozent der freiwilligen Umsteiger seien zuvor keine regelmäßigen ÖPNV-Nutzer gewesen, 50 Prozent davon blieben zudem nach Ablauf des kostenfreien Jahres, obwohl sie für ihr Ticket dann selbst aufkommen müssen.

Finanziert wird das Ganze vom VVS, den Verkehrsunternehmen sowie vom Landkreis, der bislang zirka 450 000 Euro zugeschossen hat. Das Modell könnte sich zum Exportschlager entwickeln: Der Landkreis Esslingen beispielsweise habe bereits Interesse bekundet, wolle allerdings noch die Entwicklung in Ludwigsburg sowie die für 2019 geplante Tarifzonenreform abwarten, erklärt Stammler.

 Auch die Linke in der Stuttgarter Regionalversammlung hat den Erfolg des Tickets erkannt und dafür plädiert, das Angebot auf die ganze Region auszuweiten. Durch das Angebot würden echte Neukunden gewonnen, sagte Wolfgang Hoepfner im Verkehrsausschuss. Mit einem entsprechenden Antrag, das Projekt regional zu koordinieren, scheiterte die Fraktion am Mittwoch allerdings im Gremium – die Mehrheit sieht den VVS nicht in der Pflicht. Das Ganze müsse in Händen der Landratsämter bleiben, bei denen die Senioren auch ihre Führerscheine abgeben müssen.

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