Glaube Freikirche MCC: „ Die Pius-Brüder beten gegen uns“

Axel Schwaigert ist Pfarrer in der Freikirche MCC.
Axel Schwaigert ist Pfarrer in der Freikirche MCC. © Foto: Caroline Holowiecki
Stuttgart / Dominique Leibbrand 05.02.2019

Für Axel Schwaigert ist es einer der schönsten und zugleich traurigsten Momente seiner theologischen Karriere: Es ist 1994, als er in einem Gottesdienst im US-amerikanischen Key West zwei Männer Hand in Hand zum Abendmahl gehen sieht. „Da hat‘s mir d‘r Seiher nausg‘hauen“, sagt er mit unüberhörbarem Ostälbler Dialekt. Schön, weil er, der sich kurz zuvor als schwul geoutet hatte, beim Anblick des Paares Glück empfindet.

Schwaigert ist aber traurig, weil er erkennt: In seiner Kirche, der evangelischen Landeskirche, ginge das nicht ohne Weiteres. Der Theologe ist vor Jahren aus dieser Landeskirche ausgetreten, die bis heute eine Öffnung in Richtung Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ablehnt.

Und 2000 hat er den Stuttgarter Ableger jener evangelischen Freikirche ins Leben gerufen, in deren Gottesdienst er das Aha-Erlebnis hatte: die MCC-Gemeinde Salz der Erde. Die Metropolitan Community Church ist nach eigenen Angaben die größte Organisation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern weltweit. Gegründet wurde sie Ende der 60er in Los Angeles. Etwa 250 Gemeinden mit 18 000 Mitgliedern gibt es heute, in Deutschland sind es lediglich drei, nämlich Hamburg, Köln und eben Stuttgart.

„Es geht um Heimat und zu sein, wie ich bin“, sagt Schwaigert. Der 50-Jährige ist eine schillernde Persönlichkeit. Unterm Talar trägt er Ganzkörpertattoos, zum römischen Kragen einen Ohrstecker. „Ich will‘s nicht verstecken“, sagt er mit fester Stimme. „Man kann um Rechte kämpfen, aber wenn ich darum kämpfen muss, willkommen zu sein, dann ist das, wie wenn ich einen Witz erklären muss.“

Willkommen fühlten sich in den traditionellen Kirchen viele aus der Regenbogen-Community nicht. „Ein Großteil ist einfach verletzt“, sagt Schwaigert. In der eigenen Szene müsse sich der Seelsorger selbst oft rechtfertigen, werde als Exot betrachtet. „Die meisten sagen: Hau mir ab mit Kirche.“ Samstags um 18.30 Uhr ist Gottesdienst im Ludwigstift, einem Altenheim. Um die 25 Gläubige kämen stets. Die Gemeinde gefällt nicht jedem. „Gegen uns beten die Pius-Brüder“, sagt Schwaigert. In der vom Pietismus geprägten Prälatur Stuttgart ist der Prediger im Regenbogen-Talar vielen ein Dorn im Auge. Doch Schwaigert tut, was er tut.

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