Weil der Stadt Frascatelli und Tre Face verblüffen in der "Zaubermühle"

Skurril, rätselhaft, komisch: das Zauberer-Paar Frascatelli und Tre Face, bürgerlich Hermes Kauter und Sigrid Wolbold. Sie leiten und bespielen die "Zaubermühle" im Heckengäu.
Skurril, rätselhaft, komisch: das Zauberer-Paar Frascatelli und Tre Face, bürgerlich Hermes Kauter und Sigrid Wolbold. Sie leiten und bespielen die "Zaubermühle" im Heckengäu. © Foto: Peter Oppenländer
Weil der Stadt / MONIKA ETSPÜLER 30.09.2015
Die ehemalige Getreidemühle von Merklingen hat sich in eine Bühne für Magie und Komik verwandelt. Das Ehepaar Sigrid Wolbold und Hermes Kauter verführt sein Publikum mit Tricks und Wortwitz.

Ein bisschen aus der Zeit gefallen wirkt das alte Gebäude Mühlgraben 9 im Weil der Städter Ortsteil Merklingen (Kreis Böblingen). Sein Äußeres hat es sich zwar bewahrt, doch innerlich eine erstaunliche Metamorphose durchlaufen: von der Getreidemühle zur Zaubermühle. Zum Begrüßungskomitee im Erdgeschoss gehört eine lebensgroße Figur aus Pappmaschee. Hat der Besucher schließlich den Dachboden erklommen, eröffnet sich ihm ein Kuriositätenkabinett der besonderen Art. Hier ist das Reich von Frascatelli & Tre Face, und hier werden ab dem 2. Oktober der alemannisch sprechende Narr und die geheimnisvolle italienische Fürstin in bester Schaustellermanier wieder ihre Gäste unterhalten.

"Wir wollen den Zuschauern ein spaßiges Programm bieten, so wie es früher auf Jahrmärkten üblich war", erzählt Frascatelli, der mit bürgerlichem Namen Hermes Kauter heißt und eigentlich Pädagoge ist. Mit Straßentheater und Gauklerkunst kennt sich der 62-Jährige aus. Statt an Wochenenden oder im Urlaub die Füße hochzulegen, tourte er früher mit seiner Frau Sigrid Wolbold alias Tre Face und einer Truppe Gleichgesinnter mit dem Zirkuswagen quer durch Deutschland. "Passanten zum Zuschauen zu bewegen, ist eine echte Herausforderung", erzählt er rückblickend. "Schafft man es nicht, die Leute schnell zu begeistern, gehen sie einfach weiter." Maskenspiel, Pantomime und Zauberei, alles stand damals auf dem Programm. Es ebnete den Weg auf diverse Kleinkunstbühnen, 2002 schließlich fand das Duo Frascatelli & Tre Face in der Merklinger Getreidemühle seine künstlerische Heimat.

"Witz und Wunder" heißt das Programm, das dort in Kürze über die Bühne geht. Doch bevor die Vorstellung beginnt, bleibt den Besuchern noch genügend Zeit, die Umgebung zu erkunden. Schon am Eingang zum Zuschauerraum warnt ein Schild: "Und vergessen Sie nicht: 50 Prozent der Geschichten sind unglaublich, aber wahr." Welche das sind, verrät der Hausherr natürlich nicht. Ob die "Anleitung zur privaten Fabrikation von Gold" oder die gehörnte Fledermaus mit den schimmernden Flügeln? Auf solche Fragen muss der Besucher schon selbst eine Antwort finden.

"Die Männer sagen, ,das sind alles nur Tricks', und die Frauen kontern, ,du weißt immer alles besser'", charakterisiert Hermes Kauter die geschlechterspezifische Reaktion auf das Skurrilitätenkabinett. Spätestens aber, wenn er sich in Frascatelli verwandelt und seine Narrenkappe überzieht, sind sämtliche Erklärungsversuche überholt. Mit magischen Tricks, Wortwitz und Komik verführt Frascatelli sein Publikum. Silbergeld aus der Luft greifen, Seile hüpfen lassen oder Hühnereier aus dem Mund zaubern; die Manipulation der Wirklichkeit scheint grenzenlos.

Tre Face dagegen ist die Frau mit den drei Gesichtern, die Primadonna der Mentalmagie. Dass die heute 63-jährige Psychologin von klein auf an den Rollstuhl gefesselt ist, hat ihrer Bühnenkarriere keinen Abbruch getan. Sie suggeriert, Gedanken lesen zu können und sorgt damit beim Publikum immer wieder für Sprachlosigkeit. Skizzen aus dem Publikum ordnet sie auch mit verbundenen Augen dem jeweiligen Zeichner zu, sie verspricht die Befreiung vom bösen Blick und eröffnet den Zuschauern die Chance, beim Lügen Geld zu gewinnen.

Voraussetzung für Gedankenexperimente dieser Art sind Merkfähigkeit und ein Blick fürs Detail. Als Trainingsfeld nutzte Sigrid Wolbold häufig öffentliche Verkehrsmittel. Indem sie beispielsweise Art und Zustand der Schuhe ihres Gegenübers studierte und daraus Schlüsse auf deren Träger zog, trainierte sie ihr Beobachtungsvermögen.

"Witz und Wunder" an sieben Wochenenden

Herbstsaison "Witz und Wunder" findet an sieben Wochenenden jeweils am Freitag und Samstag in der "Zaubermühle" in Weil der Stadt-Merklingen statt. Start in die Herbstsaison ist am 2. Oktober. Einlass um 19:30 Uhr, das Programm beginnt um 20:30 Uhr.

Auszeichnung Für ihre ganz eigene Mischung aus Zauberkunst und Theater erhielten Sigrid Wolbold und Hermes Kauter vor zwei Jahren eine der höchsten Magierweihen, den die Zauberwelt zu vergeben hat: den Johann-Nepomuk-Hofzinser-Gedächtnisring. Ein Kuratorium von sechs Zauberkünstlern verleiht den Ring.

 

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