An einem Schildkröten-Fossil haben Forscher aus Deutschland, Kanada und den USA einen Tumor entdeckt. Er befindet sich in der Mitte des vier Zentimeter langen Oberschenkelknochens der sogenannten Opa-Schildkröte (Pappochelys). Ein CT-Scan des 240 Millionen Jahre alten Fossils ergab: Es handelt sich um einen bösartigen Knochenkrebs, der auch beim Menschen auftreten kann.

Krankheit ist eine halbe Milliarde Jahre alt

„Krebs als Krankheit geht wohl eine halbe Milliarde Jahre zurück. Wir haben jetzt einen Hinweis, der 240 Millionen Jahre alt ist“, sagt der Stuttgarter Paläontologe Rainer Schoch. Der Befund sei ein Beispiel dafür, wie ähnlich sich verschiedene Wirbeltiere seien – von der uralten Schildkröte bis zum Menschen.

Schoch ist einer der Forscher, die das Fossil 2015 in einem Steinbruch in Vellberg-Eschenau (Kreis Schwäbisch Hall) entdeckten. Es befindet sich aktuell im Naturkundemuseum in Stuttgart. „Pappochelys steht an der Basis der Entwicklung zu den modernen Schildkröten“, sagt der Paläontologe.

Unklar, ob Tier an Tumor starb

Er hat rekonstruiert, wie die Schildkröte ausgesehen haben könnte. Auf Schochs Zeichnung wirkt sie wie eine Echse – mit einem langen Schwanz und großen Krallen. Doch das Skelett des höchstens 30 Zentimeter langen Tieres ähnelt dem der heutigen Schildkröten.

Das Tier hat verkürzte, verbreiterte Rippen – eine Vorstufe des Panzers, der sich im Laufe der Evolution daraus entwickelte. Im Bauchbereich hat die Schildkröte dicke Knochenstäbe, die an die Bauchplatte ihrer Nachfahren erinnern. Ob Pappochelys vor 240 Millionen Jahren an dem Tumor starb, können die Forscher nicht sagen.