Stuttgart Flüchtlingsunterkunft Schleyerhalle: Betrieb scheint reibungslos zu laufen

Mitarbeiter des Caterers Robin Cook geben an Flüchtlinge das Mittagessen aus. 500 Flüchtlinge sind in der Halle untergebracht, etwa ein Drittel davon in einem eigenen Familienbereich.
Mitarbeiter des Caterers Robin Cook geben an Flüchtlinge das Mittagessen aus. 500 Flüchtlinge sind in der Halle untergebracht, etwa ein Drittel davon in einem eigenen Familienbereich. © Foto: Raimund Weible
Stuttgart / RAIMUND WEIBLE 18.08.2015
Übers Wochenende hat das Regierungspräsidium Stuttgart 500 Flüchtlinge im Nebengebäude der Schleyerhalle untergebracht. Unterdessen macht sich die Behörde auf die Suche nach Anschlussunterkünften.

Auf dem Speiseplan stehen Nudeln mit Tomatensoße, dazu Salat, als Nachtisch gibt es Äpfel. Vor der Essensausgabe bildet sich eine längere Schlange, aber geduldig warten Frauen und Männer, bis sie drankommen. Mit ihren Tabletts steuern sie Tische an. Nebenan, im Schlafbereich der Männer, wo Feldbetten des Technischen Hilfswerks aufgereiht sind, spielen junge Erwachsene Fußball - sie haben wohl schon gegessen.

Es scheint, als sei gestern bereits der Alltag eingekehrt in der provisorischen Flüchtlingsunterkunft im Sportpark von Bad Cannstatt. Es ist ein Nebengebäude mit der Bezeichnung Halle 3 der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. 500 Menschen hat das Regierungspräsidium Stuttgart im Erdgeschoss einquartiert, und organisatorisch scheint alles gut zu funktionieren. Die Verpflegung hat die Firma Robin Cook übernommen, die nur einem Kilometer entfernt ihren Sitz hat und normalerweise Schulen und Kindergärten beliefert. Die Leute von Robin Cook teilen, in Schichten zu zehn bis 15 Personen, Frühstück, Mittag- und Abendessen aus. Mit Rücksicht auf die Klientel gibt es nie Schweinefleisch.

Die Firma hat Flexibilität bewiesen. Wie die anderen Dienste auch, die das Regierungspräsidium Stuttgart engagiert hat. Am Freitagnachmittag war das Unternehmen angefragt worden, schon am Samstag lieferte es. "Wir konnten das mit Ach und Krach stemmen", sagt Matthias Buchka von der Geschäftsleitung des Familienbetriebs, der gestern mit seinem Bruder selbst mit Hand anlegte. Und, wie er ohne Klagen erwähnt, seit Freitag nur acht Stunden geschlafen hat.

Betreut werden die Flüchtlinge von der Campanet GmbH aus Freiburg, die 18 Mitarbeiter nach Stuttgart beordert hat. Die Leute von dem Sozialdienst sind rund um die Uhr vor Ort, ebenfalls drei Rettungssanitäter, die einmal vom Roten Kreuz, dann wieder von den Johannitern entsandt werden. Ein Arzt fehlt noch. "Wir versuchen einen zu gewinnen", sagt Sabine Beck vom Regierungspräsidium.

Die Flüchtlinge stammen aus Syrien wie der Lehrer, der berichtet, dass er 20 Tage auf der Flucht verbracht hat. Oder aus Pakistan wie jener Mann, der sagt, er habe fliehen müssen, weil es in seinem Ort Streit um Grundstücke gegeben habe. Drei Mitglieder seiner Familie seien dem Konflikt schon zum Opfer gefallen. Syrer und Pakistaner sind die häufigsten Ethnien.

Sie teilen sich die Räume mit Indern, Albanern, Serben, Mazedoniern, Algeriern, Afghanen, Palästinensern und Gambiern. In der Halle 3 werden sie nur für kurze Zeit sein. Am 27. August soll die Liegenschaft der Stadt Stuttgart schon wieder geräumt werden, weil sie für die Gymnastik-Weltmeisterschaft gebraucht wird. Deswegen ist das Regierungspräsidium bereits wieder dabei zu überlegen, wie es weitergehen soll.

Vorgesehen ist eigentlich, dass die Flüchtlinge in eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes kommen, wo sie ihren Asylantrag stellen können. Dafür müssen aber erst Plätze geschaffen werden. Eine Aufgabe, die Regierungsvizepräsident Christian Schneider als schwierig einstuft angesichts von 700 Flüchtlingen, die täglich in Baden-Württemberg anreisen. "Wenn das nicht auf die Schnelle gelingt, müssen wir noch einmal eine Interimslösung finden", sagt Schneider. Solche Gebäude mit Massenunterbringung wie die Halle 3 seien aber die "Ultima Ratio". Schneider appellierte gestern an die Bürgermeister und Oberbürgermeister, Solidarität mit dem Land zu üben.

Derweil vertreiben sich Männer und Buben auch im Hof der Halle 3 die Zeit mit Fußball. Und der junge Mann von der Sicherheit macht mit beim munteren Passspiel.

Verband fürchtet Einschnitte für Sportler

Schulbeginn Der Landessportverband Baden-Württemberg befürchtet Einschränkungen für den Schul- und Vereinssport, weil immer mehr Kommunen Flüchtlinge in Turnhallen unterbringen müssten. Mit Schulbeginn drohe ein großer Einschnitt, teilte der Sportverband am Montag mit. Während der Sommerferien sei eine Unterbringung in Sporthallen ein verständlicher Schritt.

Alternativen Doch für die Zeit danach müssten schnell bessere Alternativen für eine menschenwürdige Unterbringung gefunden werden, damit gemeinsames Sporttreiben weiterhin möglich sei. Zur Zeit werden nach Angaben des Landessportverbandes in mindestens 20 Kommunen Turn- und Sporthallen für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.

 

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