Die Fahrverbote, die seit Januar für Auswärtige und ab April für Einheimische in der Landeshauptstadt gelten, beschäftigt die Menschen. Dies zeigte sich am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus mit rund 200 Teilnehmern. Sie hatten viele Fragen an die Vertreter der Stadtverwaltung und des Verkehrsministeriums, sie sparten aber auch nicht an Kritik. An dem Abend wurde deutlich, dass auch die rund zweieinhalbstündige Veranstaltung die Betroffenen nicht vom Sinn der Verbote überzeugte.

Anfangs haben Dorothea Koller und  Gisa Gaietto vom Ordnungsamt sowie Christoph Erdmenger vom Verkehrsministerium über den Luftreinhalteplan, die Rechtslage sowie Fahrverbote und Befreiungen informiert. Bevor die Bürger fragten aber vor allem grundsätzliche Kritik äußerten, bat sie Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, der den Infoabend moderierte, sich bei der Wortwahl zu mäßigen.

Denn viele sind zornig: Ein Bad Cannstatter beklagte, dass sein „top gepflegter, voll funktionsfähiger“ Euro-4-Diesel nun völlig wertlos sein. Ein junger Mann aus Stammheim hatte die Ablehnung seines Befreiungsantrags dabei. Er darf in der Luftreinhaltezone die wenigen hundert Meter bis zur Autobahn nicht fahren, um dann zum Studienort Heilbronn zu kommen. Künftig müsse er um 4 Uhr morgens aufstehen, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Vorlesung zu kommen.  Die Redner kritisierten, dass die Fahrverbote auch für Stadtteile wie Weilimdorf, Plieningen oder Hedelfingen gelten, wo der Stickoxidgrenzwert kein Problem sei.

Ein Messtechniker der Universität Stuttgart bemängelte, dass die Geräte am Neckartor veraltet seien. Er vermutet, dass die Hauptverursacher des Stickoxids die Kraftwerke in Münster und Gaisburg sowie der Flughafen sind. Als Erdmenger, der die Abteilung Nachhaltige Mobilität im Verkehrsministerium leitet, versicherte, das Land tue alles, um weitere Fahrverbote zu vermeiden, erntete er Lachen und Kopfschütteln. Als Dorothea Koller erwähnte, dass selbst im öffentlichen Raum geparkte Autos gegen das Fahrverbot verstoßen können, meinte ein Besucher halblaut: „Da muss man sich nicht wundern, wenn die Leute radikal werden.“