Medizin Experten für Hund, Katze, Maus

In Vollnarkose liegt die Katze auf dem Schragen. Gleich wird sie von Wolfgang Sinzinger operiert.
In Vollnarkose liegt die Katze auf dem Schragen. Gleich wird sie von Wolfgang Sinzinger operiert. © Foto: Ferdinando Iannone
Caroline Holowiecki 03.09.2018

Der Betrieb läuft bereits wieder, selbst wenn die Handwerker noch im Haus sind. Vor wenigen Wochen hat das Team der Stuttgarter Tierklinik den ehemaligen Standort in der Hasenbergstraße aufgegeben – nach weit mehr als 20 Jahren – und einen neuen bezogen. Seit Mitte Juli sind die etwa 40 Mitarbeiter, darunter knapp 20 Veterinäre, in einem großen Neubau im Plieninger Gewerbegebiet Entenäcker zu finden. Die Klinik hat sich deutlich vergrößert und ihre Fläche mehr als verdoppelt. Auf 2500 Quadratmetern und drei Stockwerken werden nun Heimtiere behandelt.

Und dies im großen Stil. 80 bis 100 Tiere waren am alten Standort im Westen pro Tag behandelt worden, wie viele es jetzt in der wesentlich größeren Klinik werden, muss sich noch zeigen. „Potenzial nach oben ist noch einiges da“, erklärt die Obertierärztin Susanne Streit. Maximal 60 Individuen können stationär in Zwingern oder Käfigen aufgenommen werden, mehr als 90 Prozent der tierischen Patienten sind Hunde und Katzen.

Neu im Team ist ein Experte für Exoten wie Schlangen. „Bisher hatten wir nur Notfälle behandelt. Das sind ganz andere Spezies, die ganz anders therapiert werden müssen und andere Grunderkrankungen haben“, sagt Susanne Streit.

Der Wegzug aus dem engen Stuttgarter Westen sei eine bewusste Entscheidung gewesen, erklärt Peter Himmelsbach, einer der drei Klinikleiter. Der neue Standort liegt unmittelbar an der Autobahn und nahe der B 27, eine hauseigene Tiefgarage trägt ebenso zur besseren Erreichbarkeit bei. Der 24-Stunden-Notfalldienst wurde beibehalten. Mehrere Zimmer stehen dem Personal für den Nachtdienst zur Verfügung.

Die Tierklinik will so ihr überregionales Profil ausbauen. „Unser Einzugsgebiet als Überweisungsklinik ist der Stuttgarter Großraum. Patienten kommen auch aus Reutlingen, Tübingen oder Ludwigsburg“, erklärt Susanne Streit. Träger der Tierklinik ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts( GbR), für die Dr. Wolfgang Sinzinger, Sonja Sinzinger und Dr. Peter Himmelsbach firmieren.

Für besondere Behandlungen wie die Laserlithotripsie, die minimalinvasive Zertrümmerung von Steinen in den Harnwegen mittels Laser, oder Harnleiter-Stents reisten Besucher auch bundesweit an. Und nicht nur für Tierhalter möchte man interessant sein. Ab Oktober sollen im Seminartrakt Vorträge und Weiterbildungen für niedergelassene Tierärzte stattfinden. Ebenfalls ab Herbst sind Tage der offenen Tür geplant.

Die Fachdisziplinen klingen, als ginge es um Menschen. Von A wie Augen- bis Z wie Zahnheilkunde reicht das Spektrum. Urologie, Chirurgie, Dermatologie, Onkologie, Physiotherapie, Neurologie, Orthopädie, Kardiologie, Innere Medizin. Techniken wie Röntgen, Ultraschall, Endoskopie, CT und MRT stehen ebenso zur Verfügung wie ein eigenes Labor, eine Intensivstation, vier spezialisierte OPs oder ein vollautomatischer Apothekenroboter.

Am besten kämen aber gerade die Annehmlichkeiten an, die das neue Haus für die pelzigen Gäste bietet. Das sind etwa getrennte Wartebereiche für Hund und Katz oder ein Freilaufbereich für Katzen, damit die sich schneller akklimatisieren.

„Die meisten sehe ich, wie sie auf der Fensterbank liegen und rausschauen“, sagt Streit. Effekt: deutlich mehr Entspannung für Tier, Halter und Ärzte, „selbst wenn es mal ein paar Minuten länger dauert“.

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In fast jedem zweiten Haushalt lebt ein Tier

Eine repräsentative Erhebung des Marktforschungsinstituts Skopos hat ergeben, dass die Zahl der Heimtiere in Deutschland  im vergangenen Jahr gestiegen ist. Demnach gibt es 34,3 Millionen Heimtiere, 2,7 Millionen mehr als im Jahr zuvor. In 45 Prozent aller deutschen Haushalte ist ein Tier daheim. Am beliebtesten sind Katzen, 13,7 Millionen schleichen durch 22 Prozent aller Haushalte.

9,2 Millionen Hunde sind in 18 Prozent der Haushalte zu finden, außerdem 6,1 Millionen Kleintiere (sieben Prozent). Die Zahl der Ziervögel beläuft sich auf 5,3 Millionen (vier Prozent). Zudem gab es im selben Zeitraum 2,1 Millionen Aquarien sowie 1,6 Millionen Gartenteiche mit Zierfischen (je vier Prozent). Zudem wurden 800 000 Terrarien in einem Prozent der Haushalte ermittelt. Das Marktforschungsinstitut hat auch die Situation in Baden-Württemberg Skopos beleuchtet. Das Ergebnis: Im Land leben 1,8 Millionen Katzen, 1,1 Millionen Hunde, je 800 000 Kleinsäuger und Vögel sowie 100 000 Terrarientiere.  car

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