Ausblick Erstmals Koalas im Stuttgarter Zoo?

Von Caroline Holowiecki 10.01.2018

Thomas Kölpin denkt überaus zufrieden an 2017. 1,6 Millionen Menschen haben die Stuttgarter Wilhelma besucht. Das sind 23 Prozent mehr als im schwachen Jahr zuvor. Der Direktor hat zwei Gründe fürs beachtliche Plus ausgemacht. Shapur und Kajal, die Löwen-Brüder, die im März eingezogen sind, „haben sicherlich einen Push gebracht“, und vor allem hat das Wetter mitgespielt. Ob es wieder eine meteorologische Topsaison gibt, steht in den Sternen, in puncto Attraktionen wartet die Wilhelma aber auch 2018 mit Neuem auf, und dies bei stabilen Eintrittspreisen.

 Im Frühjahr wird das neue Schneeleoparden-Außengehe eröffnet. Es wird viermal so groß wie das alte sein, und der Zoodirektor verbindet mit der Anlage, die so konzipiert ist, dass sie in bis zu drei Einzelgehege geteilt werden kann, einen Wunsch: mit dem Wildkatzen-Pärchen wieder züchten zu dürfen. Die Zeichen, dass die Erlaubnis erteilt wird, stünden nicht schlecht. „Wir hoffen noch dieses Jahr auf Babys“, sagt er.

Entscheidung über Gastronomie

Noch früher, nämlich bereits Ende Januar, soll laut Thomas Kölpin die Entscheidung fallen, wie es mit der Wilhelma-Gastronomie weitergeht. Das Vergabeverfahren laufe. Dem bisherigen Betreiber war zum Ende 2017 gekündigt worden. Hungern muss keiner. Aktuell können sich die Zoobesucher an Imbisswagen stärken, bis neue Lokale aufmachen.

Schlecht sieht es indes mit einer weiteren Eröffnung aus, die bereits für 2017 geplant gewesen war, nämlich die des neuen Gemeinschaftshauses für kleine Säugetiere, Vögel und fleischfressende Pflanzen. Die Arbeiten am Gebäude in der Nähe des Wintergartens verzögern sich, denn Baumängel sind aktuell in der juristischen Prüfung, erklärt Thomas Kölpin.

Das hindert den promovierten Biologen nicht darin, weitere Ziele voranzutreiben. Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie, die sich um den Umbau des ehemaligen Menschenaffentrakts in ein Australienhaus dreht. Mitte des Jahres sollen die Zahlen auf dem Tisch liegen. Bekäme das Projekt grünes Licht, könnten erstmals Koalas in die Landeshauptstadt ziehen.

Auch zu einem anderen Vorhaben ist die Konzeption schon weit gediehen und liegt im Rathaus: Thomas Kölpin schwebt vor, nach dem Rückbau der gewaltigen Baustelle an der Neckartalstraße ein frei zugängliches Zwergflusspferd-Gehege am Fluss – aber wegen der schlechten Wasserqualität nicht im Fluss – zu errichten. Das Ganze könnte das Naturkundemuseum begleiten, da, so sagt er, bereits vor 300 000 Jahren Flusspferde am Neckarknie lebten. Die politischen Gremien hätten zwar das letzte Wort, da sich aktuell aber viele Stuttgarter Ideen durch den Masterplan „Stadt am Fluss“ oder die Surfwelle um den Neckar ranken, sieht der Zoochef den Zeitpunkt als geeignet an.

Sein Hauptaugenmerk gilt allerdings anderen Dickhäutern. Die Wilhelma möchte asiatische Elefanten züchten. Das Projekt, das sich um eine Herde mit 14 Tieren und ein neues, zehnmal größeres Areal dreht, wurde bereits im vergangenen April vorgestellt. 2020 könnte der Startschuss fallen. Das Elefanten-Gehege soll sich an die neue Asienwelt anschließen, die als Ersatz für den bestehenden Schaubauernhof gebaut wird. Auch sie wird wieder einen Bauernhof beinhalten, verspricht Thomas Kölpin, für die beiden alten württembergischen Rassen – das Schwäbisch-Hällische Landschwein und das Limpurger Rind – kommt eine Zuchtanlage als Wilhelma-Außenstelle infrage, kündigt er an.

Ebenfalls in die Asienwelt einziehen sollen Sibirische Tiger, deren Anlage soll parallel zu der der Elefanten „Anfang der 20er-Jahre“ eröffnet werden, so Kölpin. Und dann? Dem Wilhelma-Chef gehen die Ideen nicht aus. Ein Gehege zur Zucht gefährdeter asiatischer Löwen schwebt ihm vor. Er lacht. „In weiter Ferne.“

Infokasten
Peta-Anzeige wird noch geprüft

Die Tierrechtsorganisation Peta hat Anfang November 20 Zoos angezeigt, darunter die Wilhelma. Vorwurf: Vögel würden durchs Beschneiden von Federn sowie chirurgische Eingriffe flugunfähig gemacht. Jan Holzner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, erklärt, dass sich die Strafanzeige im Prüfstadium befindet. Im konkreten Fall soll es sich um Flamingos drehen, es sei aber noch nicht entschieden, ob der Anfangsverdacht auf eine Straftat besteht und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Zoodirektor Thomas Kölpin verteidigt sich: „Wir kupieren die Tiere seit Jahren nicht mehr.“ Schwungfedern würden geschnitten, dies sei aber erlaubt. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen, wir arbeiten tierschutzkonform und transparent mit dem Veterinäramt.“ Ein Sprecher der Stadt bestätigt, dass keine Verstöße festgestellt wurden. car