Das Hauptargument, warum für Stuttgart die Krönung zur "Europäischen Kulturhauptstadt 2025" nicht erstrebenswert ist, sind für Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Kosten. Das Budget von Essen (Ruhr) lag 2010 bei gut 65 Millionen Euro. Am Neckar soll so viel Geld lieber in den Bestand fließen. Oper, Wagenhallen, Theaterhaus und Lindenmuseum: Die Stadt müsse zunächst bestehende Kultureinrichtungen sanieren, bevor Leuchttürme gebaut werden könnten. Vor der Kür stünden "erst die Hausaufgaben", sagte Kuhn gestern im Ausschuss für Kultur und Medien.

Für eine aussichtsreiche Bewerbung bräuchte es zudem freie Flächen für neue Projekte. In Stuttgart seien diese aber rar. Auf den durch S 21 freiwerdenden Arealen könnten zumindest vor 2025 "keine großen Spatenstiche" getätigt werden, so Kuhn. Wie das Gelände künftig genutzt werden kann, sollten nach seiner Ansicht ohnehin "alle Stuttgarter" entscheiden.

Aus den Reihen der sachkundigen Bürger im Ausschuss bekam der OB breite Zustimmung. Auch die Fraktionen unterstützen weitgehend den Kurs, lieber die Kultur-Basis zu festigen, statt kurzfristig "Feuerwerke abzubrennen". Allerdings, so der Einwand der CDU, müsse unabhängig von der Bewerbung mit der Region über gemeinsame Projekte gesprochen werden.

Die SPD indes bedauert die Ablehnung des Vorschlags, den der Ludwigsburger OB Werner Spec zur Diskussion gestellt hatte. Die Fraktion sieht die kulturelle Leistung der Stadt auch bereits heute als "beachtlich", so Dejan Perc. Auch ohne neue Projekte, etwa auf dem immer wieder ins Gespräch gebrachten, freiwerdenden Rosensteingelände, stünde Stuttgart nicht schlecht da - besonders im Vergleich zu Mannheim, wo ebenfalls über eine Bewerbung nachgedacht wird. Ralph Schertlen von den Stuttgarter Stadtisten bemängelte scharf, es werde zu sehr aus städtischer Sicht argumentiert. Die Verankerung in der Region bliebe außen vor. Er wünsche sich eine "Kultur 2.0", in der Bestehendes mit Neuem verknüpft werde.