Mai 2018, in einem Vorlesungssaal an der Universität Hohenheim: 244 Studenten schreiben die Prüfung zur Vorlesung „Investition und Finanzierung“, immer wieder verlassen einige den Raum, es herrscht Unruhe. Insgesamt 75 brechen die Prüfung ab. Mit einem nachgereichten Attest melden sie sich krank. Später wird klar: 43 der 75 Prüfungsabbrecher ließen sich von ein und demselben Arzt krankschreiben. Im Juli wurde der Fall „Doc Holiday“ in den Medien publik. Ein Stuttgarter Arzt soll zweifelhafte Krankschreibungen ausgestellt haben. Wie es mit dem Arzt weitergeht, ist noch nicht klar. „Die Ermittlungen laufen“, erklärt Heiner Römhild, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

„Die Ereignisse bei der Prüfung am 23. Mai haben uns stutzig gemacht“, sagt Dorothea Elsner, Pressesprecherin der Universität Hohenheim. Auch Krankschreibungen aus dem Zeitraum zwischen dem 23. und dem 25. Mai wurden überprüft. Das Ergebnis: Zu den 43 falschen Attesten für die Klausur am 23. Mai kamen 105 weitere von Doc Holiday.

Mittlerweile hat das Prüfungsamt die Atteste begutachtet. „Bei einigen wurde der Rücktritt anerkannt, bei anderen nicht“, erklärt Elsner. Nach dem Bekanntwerden des Falls kursierte das Gerücht, dass die Prüfung zu schwer sei und deswegen viele Studenten die falsche Krankschreibung als einzige Lösung sahen. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Klausur schwerer gewesen ist als zuvor“, erklärt Elsner. Der Notendurchschnitt sei im Mai nur geringfügig unter dem üblichen Schnitt gewesen. Das läge wahrscheinlich aber auch an der Störung durch die Prüfungsabbrecher.