Sicherung Erhalt von Altbau verschlingt 50 Millionen Euro

Die alte Bahndirektion ist denkmalgeschützt.
Die alte Bahndirektion ist denkmalgeschützt. © Foto: Bahn AG
Stuttgart / dpa/web 28.07.2017

Zum Bau des neuen Tiefbahnhofs für Stuttgart 21 hat die Deutsche Bahn mit aufwendigen Arbeiten ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude gesichert. Wie der verantwortliche Projektleiter Michael Pradel am Donnerstag erläuterte, wurde das Haus der ehemaligen Bundesbahndirektion untergraben, um den darunter geplanten Bahnhof bauen zu können.

Allein diese Arbeiten kosten nach Angaben der DB Projekt Stuttgart – Ulm GmbH insgesamt 50 Millionen Euro. Sie sollen bis 2019 abgeschlossen sein. Wegen des Denkmalschutzes hatte die Stadt Stuttgart einen Abriss des Gebäudes abgelehnt. Dies hätte laut Bahn den  Bau am Nordkopf des Hauptbahnhofs deutlich vereinfacht und die Kosten auf etwa vier Millionen Euro gesenkt.

Um das 15 000 Tonnen schwere Gebäude an der Stelle für den Tunnelbau abfangen zu können, wurden Mikropfähle in den Boden getrieben und mit speziellen Balken unterbetoniert. Dann konnte die gesamte Fläche unterhalb des Gebäudes etwa zwei Meter ausgehoben werden. Dort wurde im Anschluss eine Abfangplatte errichtet, die das Bauwerk trägt. Darunter wird nun die Erde zehn Meter tief ausgegraben.

„Aufgrund der Lasten und Kräfte, mit denen wir arbeiten, ist das für uns jeden Tag eine echte Herausforderung“, sagte Projektleiter Pradel. Die Arbeiten für das Tunnelsystem werden ihm zufolge zudem erschwert, da im Untergrund die Stadtbahnlinie U 12 verläuft.

Beim umstrittenen Projekt Stuttgart 21 soll der bisherige Stuttgarter Kopfbahnhof durch eine unterirdische Durchgangsstation ersetzt werden. Zudem ist eine Schnellbahnstrecke nach Ulm im Bau. Für den Bahnhofsumbau werden insgesamt bis zu 6,5 Milliarden Euro veranschlagt.

Kritisch hat sich der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Matthias Gastel, zur Finanzierung von Stuttgart 21 geäußert. Aus der Antwort des Verkehrsministeriums  auf eine Anfrage des Abgeordneten geht hervor, dass die Bahn zwischen 2009 und 2016 316,4 Millionen Euro in S 21 investiert hat, die aus der Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund und der Deutschen Bahn AG stammen. Diese Mittel, so Gastel, seien jedoch für den Erhalt des bestehenden Schienennetzes und nicht für einen Neubau bestimmt. Die Gelder würden damit zweckentfremdet und an anderer Stelle fehlen. Gastel verlangte, diese Praxis zu beenden.

Nachgefragt hat Gastel bei der Bahn auch, was sie für die Instandhaltung im alten Hauptbahnhof und des Gleisvorfelds investiert. Dafür wendete die Bahn in den vergangenen Jahren jeweils eine Million Euro auf. Auch in den kommenden Jahren bis zum Start von S 21 seien jährlich eine Million Euro notwendig, teilte die Bahn mit.

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