Wohltätigkeitsaktion Engel mit Rasiermessern, Scheren und Bikerkluft

Michaela Diefenbacher schneidet Bernd umsonst die Haare.
Michaela Diefenbacher schneidet Bernd umsonst die Haare. © Foto: Caroline Holowiecki
Stuttgart / Caroline Holowiecki 17.04.2018

Norbert Kruses Lächeln wird immer breiter, je länger sich Daniela Minic ihm widmet. Die 29-jährige Friseurin aus Schwäbisch Gmünd lässt flink die Schere kreisen. Der 50-jährige Stuttgarter lässt die Frau mit dem pink gefärbten Schopf und den Tattoos gern gewähren. Denn den Schnitt hat er sich dringend gewünscht. Dieser Tage hat der Arbeitslose Bewerbungsgespräche, „da möchte ich gern gepflegt aussehen“. Dass das Umstyling heute umsonst ist: eine Entlastung.

 Die Barber Angels waren am Montag in der Sankt-Maria-Kirche in Stuttgart. Im Club haben sich an die 120 Friseure zusammengeschlossen, um einmal im Monat irgendwo in Deutschland Bedürftigen kostenlos die Haare zu schneiden – Obdachlosen, Senioren mit schmaler Rente, Arbeitslosen. Die Idee kommt aus Oberschwaben. Ende 2016 gründete Claus Niedermaier, der in Biberach seinen Salon „Figaro Claus“ hat, die Barber Angels Brotherhood. Seit Anfang 2017 haben die himmlischen Barbiere rund 4500 armen Menschen Haare und Bärte gestutzt. Und ein Stück ihrer Würde wiedergegeben. „Ich mache das aus tiefer Überzeugung, weil ich den Menschen, die in Deutschland vergessen werden, etwas von meinem Erfolg zurückgeben möchte“, sagt der 56-Jährige. „Dankbarkeit ist meine Währung.“  In Stuttgart haben die Coiffeure am Montag nicht wahllos gestoppt. „Olga 64“, die Caritas-Tagesstätte für Wohnungslose und Arme, feiert 50. Geburtstag, aus diesem Anlass hat der Pfarrer Paul Kugler seine Kirche für die Engel in Bikerkluft geöffnet. Der rockige Look gehört dazu und soll bei Hemmungen abbauen.

 Bernd (68) jedenfalls fühlt sich pudelwohl. Er hat eine Kopfmassage von Michaela Diefenbacher bekommen. 20, 25 Euro für einen normalen Schnitt, das sei als Hartz-IV-Empfänger nicht drin, sagt der Stuttgarter. Die Mannheimerin opfert gern ihren freien Tag, „um Bernd zehn Jahre jünger zu machen“, wie sie augenzwinkernd sagt. Es wird viel gescherzt, nach dem Schnitt liegt man sich in den Armen.

Eine, die richtig strahlt, ist Renate Emert aus Leonberg. Früher war sie fürs Rote Kreuz tätig, heute ist sie 82 und selbst auf Hilfe angewiesen, wenn das Geld mal wieder knapp ist. Auch sie hat einen Sommerschnitt bekommen, dazu das passende Make-up. Sie lächelt. „Davon werde ich lange zehren.“ 

Info www.b-a-b.club

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel