Spenden Engagement für ein architektonisches Kleinod

Michael Wießmeyer vor der Kreuzkirche.
Michael Wießmeyer vor der Kreuzkirche. © Foto: Rainer Lang
Stuttgart / Rainer Lang 04.09.2018

Als Michael Wießmeyer die Kirche zum ersten Mal sah, war es um ihn geschehen. Seit vier Jahrzehnten tut er alles, um auch andere für die im Bauhaus-Stil 1929 und 1930 errichtete Kreuzkirche im Stuttgarter Stadtteil Hedelfingen zu begeistern. Für ihn ist der Bau ein unterschätztes architektonisches Kleinod. Im vergangenen Jahr ist es dem Kaufmann gelungen, die Kreuzkirche in den „Förderverein Alte Kirche“ in Hedelfingen einzugliedern.

Der 1994 gegründete Förderverein in Hedelfingen hat mittlerweile gut 250 000 Euro gesammelt, die zum Beispiel für eine neue Orgel oder Glocke ausgegeben wurden. Für die historische evangelische Bernhardskirche im benachbarten Rohracker will Wießmeyer ebenfalls einen Förderverein ins Leben rufen. „Das ist die einzige Möglichkeit, außerhalb der Kirche Geld zu erhalten“, betont er. Spenden kämen aber auch von Kirchenfernen, denen der Erhalt der Kirche als historisches Bauwerk einfach am Herzen liege.

„Die Kirchengemeinden haben sich auf der Suche nach einer Kofinanzierung früher für einen Förderverein entschieden“, erklärt Helmut Liebs. Der Pfarrer, der die Stiftung der württembergischen evangelischen Landeskirche leitet, weiß um die Brisanz des Themas. „Die Erhaltung der Kirchen kostet sehr viel Geld“, sagt er.

Mit der Gründung der Stiftung zum Erhalt der Paul-Gerhardt-Kirche begann 2006 in Stuttgart ein regelrechter Stiftungs-Boom. Das hängt für Liebs damit zusammen, dass damals die Kirche Finanzengpässe befürchtete und Gebäude zur Disposition stellte. Dazu gehörte auch die Haigstkirche, für die deshalb 2008 eine Stiftung ins Leben gerufen wurde. Die Aufregung habe sich gelegt, meint Liebs. Während vor zehn Jahren aber gerade mal drei Prozent der Stiftungen für den Erhalt von Kirchen bestimmt waren, sind es heute 38 Prozent.

Für Liebs ergänzen sich die beiden Finanzierungskonzepte. Die auf Dauer angelegte Stiftung spreche Menschen an, die einmalig höhere Beträge spenden wollen. Beim Förderverein gehe es um regelmäßige Mitgliedsbeiträge und Spenden in weit geringerer Höhe. 

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