Städtebau Ende 2020 muss alles fertig sein

Von Daniel Grupp 15.11.2018

Erfrischende Fontänen, Schatten an heißen Tagen, Gastronomie und ein barrierefreier Zugang zum Marktbrunnen – die Stadt Stuttgart will die Fläche vor dem Rathaus sanieren und fit für aktuelle Anforderungen machen, denn der Marktplatz biete schon seit Jahren ein „unbefriedigendes Erscheinungsbild“, stellt die Verwaltung fest. Der nach derzeitiger Schätzung 8,4 Millionen Euro teure Umbau soll im Wesentlichen zwischen den beiden Weihnachstmärkten der Jahre 2019 und 2020 über die Bühne gehen.

Städtische Ämter hatten zusammen mit dem Gemeinderat ein Gestaltungskonzept entwickelt. Wobei diese Ideen nicht alle umgesetzt werden können. Zum Beispiel wird sich der Wunsch nach mehr Bäumen nicht erfüllen lassen. Diese Idee werde nicht mehr verfolgt, berichten Projektleiter Nicolaus Welker vom Tiefbauamt und Jan-Frieso Gauder vom Stuttgarter Büro g2-Landschaftsarchitekten. Das von Gauder und Stefan Gehring geleitete Büro hat von der Stadt den Auftrag zur Objektplanung der Frei- und Verkehrsanlagen erhalten. Man werde sehen, welcher Wunsch umsetzbar ist, meint Gauder. Gegen neue Bäume spricht zum Beispiel der Untergrund, wo ein Bunker ist und viele Versorgungsleitungen liegen.

Plätze für Gastronomie

Die vom Gemeinderat gewünschten Wasserspiele sind im Konzept auf der Nordwestseite platziert. Die Außengastronomie soll in die Nähe des Ratskellers und beim Breuninger-Kaufhaus Plätze bekommen.

Eine Herausforderung wird der denkmalgeschützte Marktbrunnen.  Die stark rostenden Platten aus Eisenguss, die den Brunnen aus dem Jahr 1714 einfassen, könne man vermutlich nicht sanieren, meinen Welker und Gauder. Deswegen schlagen sie vor, eine Kopie herzustellen und das Original einzulagern. Der Brunnen, der von Sitzplätzen und Bäumen umgeben ist, soll 45 Zentimeter höher gesetzt werden, damit er barrierefrei erreicht werden kann.

Der Brunnenbereich könnte nach Welkers Einschätzung noch 2019 saniert werden. Die Arbeiten müssten bis zum  Weihnachtsmarkt 2019 beendet sein. „Mit den Hauptbaumaßnahmen werden wir 2019 nicht beginnen.“ Die Umgestaltung des Platzes würde dann Anfang 2020 starten und müsste bis zum Weihnachtsmarkt 2020 fertig sein. Nach Gauders Einschätzung sollte ein Jahr Bauzeit genügen.

Es gebe allerdings Unsicherheiten. Dazu zählt zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Betrieben, die Versorgungsleitungen im Boden haben. Unter dem Marktplatz liegen neben Strom-, Telefon- und Gasleitungen auch Wasser- und Abwasserrohre, die teilweise neu verlegt werden. „Wenn die Leitungsträger ein halbes Jahr drinnen sind“, gerate der Zeitplan in Gefahr, meint Gauder. Projektleiter Welker erwartet, dass sich manche Leitungsträger schon im nächsten Jahr an die Arbeit machen.

Die Stadtverwaltung hat mit den Firmen Koordinierungsgespräche geführt. Dabei wurde auch deutlich, dass beim Stromnetz „Nachrüstungsbedarf“ besteht, weil  es bei Großveranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt und dem Weindorf an eine Auslastungsgrenze kommt.

Werden während der Bauzeit jedoch weiterhin Veranstaltungen wie das Weindorf 2020 auf dem Marktplatz gefeiert, kommt der Zeitplan ebenfalls ins Rutschen, warnt Gauder. Zu dem Thema ist laut Welker noch keine Entscheidung gefallen: „Die Verlegung ist völlig offen.“ In dem Fall könnte es knapp werden, bis zum Advent des Jahres 2020.

Die acht Bäume sollten gefällt werden

Mit Objektplanung und Bauüberwachung hat die Landeshauptstadt die Bietergemeinschaft der Stuttgarter Büros g2-Landschaftsarchitekten und Obermeyer Planung und Beratung beauftragt. Das vorläufige Gesamthonorar für drei Jahre Arbeit liegt  bei 650 000 Euro.

Seine heutige Gestalt hat der Marktplatz im Jahr 1974 erhalten. In einem Ideenwettbewerb des Jahres 2005 hat das Siegerbüro eine stufenlose Ebene für den Platz vorgeschlagen. Die Platanen sollten beseitigt und der Marktbrunnen verschoben werden. Das war nicht zu realisieren, denn der Brunnen ist ein Kulturdenkmal und die acht Bäume haben einen großen Wert für das Stadtklima.  dgr

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