Erziehung Elternbeirat warnt vor Psychogruppe

Stuttgart / epd 30.07.2018

Der Landeselternbeirat befürchtet die Einflussnahme einer Psychogruppe auf Schüler im Großraum Böblingen. Aktueller Anlass ist ein Vorfall mit einer Lehrerin an einer Sprachheil­schule im Kreis Böblingen. Die hatte im Gespräch mit der Mutter eines Schülers dessen Versetzung infrage gestellt, falls er nicht Nachhilfe bei einem der „Dierks-Gruppe“ nahe stehenden Nachhilfelehrer nehmen würde, berichtete die Mutter dem Vorsitzenden des Landeselternbeirats, Carsten Rees.

Bereits vor Jahren hatten Lehrerinnen, die zur „Dierks-Gruppe“ gehörten, bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Diese Gruppe ist ein Zweig der nach dem Tod ihres Gründers Friedrich Liebling 1982 aufgelösten „Zürcher Schule“. Anhänger von Liebling sollen darauf hingewirkt haben, dass Kinder ihren Eltern entfremdet wurden. Eltern könnten aus Befangenheit keinen guten Einfluss auf die Kindesentwicklung ausüben. Die Begründerin der „Dierks-Gruppe“, Jutta Dierks, war auf Anfrage nicht zu einer zeitnahen Erläuterung bereit. Die „Zürcher Schule“ schöpfte aus Ideen des Psychologen Alfred Adler (1870-1937) und des Psychotherapeuten Josef Rattner, hatte jedoch keine wissenschaftlichen Strukturen, sondern orientierte sich an ihrem Meister Liebling.

Einschreiten juristisch schwierig

Carsten Rees ist über den Vorfall im Raum Böblingen entsetzt, auch wenn das betroffene Kind nun wohl doch versetzt wurde, wie er dem Evangelischen Pressedienst sagte. Schockierend sei, dass es offenbar wenig Möglichkeiten gibt, Lehrerinnen und Lehrer zu stoppen, die unerwünscht Einfluss auf ihre Schüler nehmen. Ein Einschreiten der Behörden sei abhängig von „juristisch belastbaren Daten zu einzelnen Personen“. Daher frage er sich, ob Eltern erst private Ermittler einschalten müssten, um den Schutz ihrer Kinder gewährleisten zu können.

Angela Huber, die Leiterin des Schulamts Böblingen, betont, dass ihre Behörde „genau hin und drauf sieht, wenn wir etwas mitbekommen“. Das Neutralitätsgebot, das Lehrer an allen staatlichen Schulen einhalten müssen, werde durchgesetzt. Nur die offizielle schulpsychologische Beratungsstelle dürfe von Lehrern empfohlen werden. Das Kultusministerium teilte auf Anfrage mit, die Schulaufsicht nehme die aktuellen Vorwürfe aus dem Raum Böblingen „sehr ernst“ und werde alle dienstrechtlich erforderlichen Schritte in die Wege leiten. Darüber hinaus sei dieser Vorgang auch „Anlass, um zu analysieren, ob es Anhaltspunkte für mögliche Gefahren durch die Aktivitäten einer Psychogruppe gibt“.

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