Rosemie Warth hatte viel Anschauungsmaterial in ihrer Jugend. Die fünf älteren Schwestern ihres Vaters - wie die redeten, wie die sich benahmen, was die für Mienen machten! Und erst die tüttelige Eierfrau! "Die hab ich schon als Kind nachgemacht", erzählt die Künstlerin.

Sie hat Ausdrucksweisen und das wunderliche Verhalten älterer Damen vom Lande schon als Sechsjährige "aufgesogen wie ein Schwamm". Und all diese gespeicherten Bilder hat Rosemie Warth in ihre Kunstfigur einfließen lassen, in die Figur der Frau Warth. 20 Jahre hat es gedauert, dann war die Figur geschaffen. Als Clownin namens Frau Warth wirbelt Rosemie Warth seit zwei Monaten über die Bühne des Friedrichsbau-Varietés. Ihre Aufgabe ist es, in der "Rosevue" den Artisten den Teppich vorzulegen. Doch sie hat eine ganz eigene Form von Conference entwickelt.

Eine Form, die sich aus Warths Begabungen speist. Denn Rosemie Warth ist eine komplette Künstlerin. Sie kann tanzen - schließlich hat sie eine Ballettausbildung durchlaufen -, sie kann musizieren - selbst Tuba und Alphorn -, sie singt, sie turnt schon mal mit den Akrobaten, sie beherrscht die Techniken als Stand-up-Komikerin. Rosemie Warth stammt aus Bad Waldsee im katholischen Oberschwaben. Sie hat schwäbisch in ihrer Jugend geschwätzt, bevor sie aufbrach nach Köln, New York und Philadelphia und dann wieder zurückkam nach Deutschland.

Schwäbisch schwätzt sie auch auf der Bühne, ob sie jetzt in Norddeutschland ist oder südlich des Mains. "Ich kann es nur auf Schwäbisch", bekennt sie und verweist auf Kollegen wie Rolf Miller, der seinen Odenwälder Dialekt kultiviert. Oder Gerhart Polt, dem es auch nicht in den Sinn käme, sein Bayrisch aufzubretzeln.

Rosemie Warth auf der Bühne und Rosemie Warth im normalen Leben - das sind zwei völlig unterschiedliche Gestalten. An der Rampe erscheint eine Frau mit Dutt und schwarzer Hornbrille, sie trägt mal ein plissiertes rosa Faltenkleid, mal ein Baströckchen, sehr unvorteilhaft alles, aber das gehört zur Rolle, Selbstironie ist ihre Begleiterin. "Haben Sie je einen Clown gesehen, der vorteilhaft aussieht?", fragt sie. Sie mimt die ungeschickte, verklemmte, unglückliche, aber dann doch lebenskluge, lebenstüchtige Landpomeranze, aus deren Mund überraschend Sätze mit Tiefgang kommen. Und damit berührt sie ihr Publikum.

Rosemie Warth treibt ihre Spielchen im Varieté bis 6. Februar, dann schwärmt sie wieder aus in die Republik. Von ihrem Lebensmittelpunkt aus, den sie in Heidelberg gefunden hat, geht es auf die Bühnen in Schwerte und Sevenich, Recklinghausen und Bad Ems. Mit ihrem Soloprogramm "Sonst nix". Das sie übrigens im Friedrichsbau-Varieté auch am 1. Februar zeigt.