Baustelle Ein Stuttgarter kämpft gegen Abrisslärm

Stuttgart / David Nau 15.02.2018

Wenn der Hörfunk-Journalist Peter Welchering in seinem Büro im Hospitalviertel eine Live-Schaltung hat, dann muss er hoffen, dass seine Worte nicht vom Lärm eines Bohrmeißels unterbrochen werden. Seit Mitte vergangenen Jahres muss der Journalist, der für ARD und Deutschlandfunk arbeitet, mit einer Baustelle in der Nachbarschaft leben. Ende nicht in Sicht. Das Problem: „Es war und ist höllisch laut“, sagt er.

„Totales Behördenversagen“

Da er als Hörfunk-Journalist die entsprechende Technik in seinem Studio verbaut hat, misst er immer wieder nach: Der Lärm liegt häufig bei 75 bis 90 Dezibel, erlaubt wären 60 Dezibel. Und auch die Messungen des Gewerbeaufsichtsamtes erfassen einen Durchschnittswert von 68 Dezibel. Welchering setzte mehrere Anordnungen gegen den Baulärm durch, doch es passiert nichts: „Der Bauherr hat die Anordnung schlichtweg ignoriert“, sagt er. Auch das zuständige Umweltamt der Stadt Stuttgart tue nicht genug, meint Welchering. Er spricht von „totalem Behördenversagen“, wirft dem Amt vor, Anzeigen zu verschleppen.

Diesen Vorwurf weist Hans-Wolf Zirkwitz zurück. „Das Amt für Umweltschutz hat gegenüber dem Bauherrn Anordnungen zum Lärmschutz erlassen“, teilt der Amtsleiter auf Nachfrage dieser Zeitung mit. So sei zum Beispiel eine Lärmschutzwand  vor dem Tonstudio des Journalisten errichtet worden, außerdem seien die Einsatzzeiten des Abbruchmeißels, der lautesten Lärmquelle, beschränkt worden.

Welchering kritisiert, dass die Stadt nur in einem Fall ein Zwangsgeld gegen den Bauherrn verhängt hat. Laut Amtsleiter Zirkwitz habe der Bauherr diesen Verstoß zugegeben. Seither seien keine weiteren Verstöße dokumentiert worden.

Gemeinderat eingeschaltet

Aus Welcherings Sicht wäre es in den meisten Fällen mit wenig Aufwand möglich, den Lärm zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. „Man könnte, anstatt die Betonteile vor Ort komplett zu zerkleinern, auch größere Stücke abtransportieren und diese an anderer Stelle zerkleinern“, schlägt der Anwohner vor. Ein sorgsamerer Umgang würde auch bereits helfen: „Man könnte Betonteile auch einfach auf dem Boden ablegen, anstatt sie aus 2,50 Meter Höhe fallen zu lassen.“.

Peter Welchering ist den Streit mit Bauherr und Stadtverwaltung inzwischen leid und wendet sich an andere Stellen. Ein Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat hat er bereits geführt. Außerdem bereitet er eine Untätigkeitsklage gegen die Stadt Stuttgart vor.