S 21 Pläne für Anbindung des Flughafens an Neubaustrecke

Die Planänderungen sollen bewirken, dass der Flughafen besser an die Bahn angebunden wird.
Die Planänderungen sollen bewirken, dass der Flughafen besser an die Bahn angebunden wird. © Foto: Flughafen
Stuttgart / Raimund Weible 23.05.2017
Die verbesserte Anbindung des Flughafens an die Neubaustrecke Stuttgart–Ulm bedeutet technisch und logistisch eine enorme Herausforderung.

Zwei Jahre, nachdem der Lenkungskreis Stuttgart 21 sich auf die Änderung der Pläne für den Filderbereich geeinigt hat, liegen jetzt die Unterlagen für die Genehmigung des Planfeststellungsverfahrens 1.3b vor. Sie sollen vom 19. Juni an ausgelegt werden. Zuvor erläutert die Projektgesellschaft der Bahn noch in diesem Monat an drei Abenden der Bevölkerung in den umliegenden Ortschaften die Pläne. Bis 1. August 2017sind dann Einwendungen möglich.

Der Zeitplan der DB-Projektgesellschaft PSU sieht vor, Ende 2018 den Planfeststellungsbeschluss zu erhalten. Wenn es keine Verzögerungen, etwa durch Klagen, gibt, soll das Vorhaben 2023 vollendet sein. Aber die Verantwortlichen sind sich im Klaren darüber, dass der Weg dorthin steinig sein wird.  Laut Sprecher Jörg Hamann steht die PSU logistisch und verkehrstechnisch „vor einer enormen Herausforderung“. Das betrifft vor allem den Bau am Flughafen.

Drei Dinge hat der Lenkungskreis im April 2015 beschlossen, um den Filderbereich besser an die Neubaustrecke anzuschließen und den Bahnbetrieb am Flughafen flexibler und leistungsfähiger gestalten zu können: Die Station „Drittes Gleis“ am Flughafen, den höhenfreien Bau der Rohrer Kurve und den Umbau der Bestandsstrecke in Leinfelden-Echterdingen.

Innovative Technik gegen Lärm

Ursprünglich sollten auf dem vorgesehenen S 21-Flughafenbahnhof der Fern-, der Regional- und der S-Bahnverkehr gemeinsam abgewickelt werden. Das hätte aber zu Problemen geführt. Deswegen haben sich die Projektpartner entschlossen, mehr Geld in die Hand zu nehmen und vor den Flughafenterminals eine Station ausschließlich für den Regionalverkehr zu bauen. Insgesamt beteiligen sich die Projektpartner der Bahn (Land, Stadt Stuttgart und Flughafen Stuttgart) mit 85 Millionen Euro an der verbesserten Version.

Schwierig ist das Bauvorhaben am Flughafen deswegen, weil der Betrieb des Airports ungestört bleiben muss. „Mit dem Flughafen sind wir dazu in sehr guten, konstruktiven Gesprächen“, sagt Projektmanager Heiko Siebenschuh. Komplex ist die Aufgabe zudem durch weitere Baustellen, die sich tangieren. So entstehen gleichzeitig ganz in der Nähe das neue Hotel Mövenpick und die neue U-Bahnstation.

An der Rohrer Kurve kann nach den neuen Plänen der Bahnverkehr aus der Schweiz und Böblingen kreuzungsfrei Richtung Flughafen abzweigen. Der Fern- und der Regionalverkehr wird dadurch entflochten. Das verhelfe zu einem zuverlässigeren Fahrplan, sagen die Bahn-Verantwortlichen. Außerdem braucht mit dieser Variante nicht in die S-Bahn-Gleise eingegriffen werden. „Der Betrieb kann ungestört weiterlaufen“, sagt Heiko Siebenschuh.

Auf der Strecke von der Rohrer Kurve über Leinfelden zum Flughafen will die Bahn viel in den Lärmschutz investieren. Auf 1,8 Kilometer Länge entstehen Schallschutzwände in einer Höhe zwischen 1,50 und vier Metern. Außerdem will die Bahn verhindern, dass Lärm überhaupt entsteht – zum Teil mit innovativen Mitteln. Durch den Einbau von Schmieranlagen  an engen Kurven soll das Quietschen der Zugräder unterbunden werden.

Regelmäßig will die Bahn einen Wartungszug über die Strecke schicken, der die Gleise schleift, was ebenfalls den Geräusch­pegel senken soll. Schließlich haben die Ingenieure auch vor, sogenannte Stegabschirmungen in die Gleise einzubauen, die sich  ebenfalls lärmmindernd auswirken.

Der Beschluss für den Planfeststellungsabschnitt 1.3a, der die  Neubaustrecke entlang des Flughafens, den neuen Flughafenbahnhof und den Flughafentunnel betrifft, ist bereits im Juni 2016 ergangen. Allerdings muss der Verwaltungsgerichtshof über drei Klagen entscheiden. Diese Entscheidung will die Bahn abwarten, bis sie die Aufträge vergibt. „Im Moment haben wir durch die Klagen ein Jahr verloren“, teil Abschnittsleiter Matthias Breidenstein mit.

Fest steht, dass vor dem Bau der Flughafenkurve  Energieleitungen und die Autobahn A 8 verlegt werden müssen. Grund dafür: Die Kurve mit einer Länge von 1,9 Kilometern wird im Tagebau errichtet, weil die Bodenüberdeckung zum Teil nur zwei Meter hoch ist.

Ein Beirat berät die Projektgesellschaft

Die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH ist eine eigenständige Projektgesellschaft für das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm. Gegründet wurde sie am 1. September 2013. Vorsitzender der Geschäftsführung ist Manfred Leger. Ihm zur Seite stehen die Geschäftsführer Peter Sturm (Risiko- und Vertragsmanagement) und Harald Klein (Finanzen/Controlling, Personal, Administration). Ein Beirat berät die Projektgesellschaft. Vorsitzender des Beirats ist Herbert Lütkestratkötter, der bis 2011 Vorstandsvorsitzender von Hochtief war. Finanzpartner sind das Land Baden-Württemberg, der Verband Region Stuttgart, die Landeshauptstadt Stuttgart und der Flughafen Stuttgart. eb

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