Seit 2013 geistert sie in Marc-Oliver Bogers Kopf, in Kürze soll die Idee in die Realität umgesetzt werden – die Idee vom Konrad-Kujau-Museum. Aktuell werden die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) bestückt, auf knapp 130 Quadratmetern sollen Mitte Juli eine öffentliche Sammlung, ein Archiv und eine wissenschaftliche Sammlung eröffnet werden. In Bietigheim-Bissingen deswegen, weil es Marc-Oliver Bogers Heimatstadt ist, und auch Konrad Kujau lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2000 in der Nachbarschaft.

 Herzuzeigen hat der 40-jährige Antiquitätenhändler im „Kujaukabinett“ viele Fälschungen. Um die 2000 Sammlerstücke nennt er sein eigen. Vom Radiergummi, den der Meisterfälscher Kujau benutzt hat, über Originalfotos, auf denen vermeintlich Helmut Kohl, Königin Elisabeth oder Papst Johannes Paul II unterschrieben haben, bis zu Gemälden von Renoir, Rembrandt oder Spitzweg – nur dass die eben Konrad Kujau gemalt hat.

 Viel Skurriles hat der Sammler im Angebot, etwa einen Eva-Braun-Akt, auf dessen Rückseite in der nachgestellten Handschrift Hitlers steht: „Dieses Bild bleibt in meiner Wohnung.“ Natürlich dürfen die legendären Hitler-Tagebücher nicht fehlen, die der Filou 1983 dem Stern für eine Millionensumme angedreht hatte – allerdings nur als Abschriften, denn die Original-Fälschungen, so Boger, gehören bis heute dem Magazin. Zudem hat sich der Neu-Museumsleiter vom damaligen Redakteur, der dem Scharlatan aufgesessen war, die Gerichtsakten geben lassen, die jenen Prozess dokumentieren, der Kujau schließlich für drei Jahre ins Gefängnis brachte. Ein Trinkglas von Götz George aus dem Film „Schtonk“, der den Medien-Skandal um die falschen Tagebücher in den 90ern thematisierte, besitzt der Sammler ebenfalls.

 Obwohl Boger Konrad Kujau persönlich kannte, hat er nicht bei ihm gekauft – zu teuer. „In den 90ern wollte er 30 000 Mark für ein nachgemachtes Hitler-Tagebuch.“ Das meiste aus seinem Fundus hat er von Versteigerungen, aus Nachlässen oder über frühere Sammler erhalten. Etliche wollten nicht namentlich in Erscheinung treten, um nicht mit Nazi-Devotionalien – wenn auch gefälschten – in Verbindung gebracht zu werden. „Das ist denen ganz peinlich.“ Und auch im „Kujaukabinett“ werden die Uniform, von der Kujau behauptet hatte, Hitler hätte sie 1933 bei der Machtergreifung getragen, und andere Exponate, die sich ums Dritte Reich drehen, in einem verdunkelten Extra-Raum gezeigt, der mit einer echten Gefängnistür aus Hamburg, wo der Fälscher einsaß, symbolisch verschlossen wird.