SI-Centrum Ein Blick hinter die Kulissen

Von Melissa Seitz 09.11.2018

Zwischen den Sitzreihen liegen ein paar Kartons, an den Mischpulten werden noch einige Einstellungen überprüft und aus der Ferne hört man das Geräusch eines Akkubohrers. Der letzte Feinschliff ist noch nötig, bevor am Donnerstag das Musical „Anastasia“ im Stage Palladium Theater in Stuttgart aufgeführt wird.

Das Herzstück des Bühnenbildes aber steht: eine 18 mal 12 Meter große LED-Wand. „Es ist schwer zu beschreiben, wie sie funktioniert. Man muss es einfach sehen“, sagt Jürgen Langerfeld, Pressesprecher des Stage Entertainments. Auf das Kommando von Clemens Weissenburger, dem Technischen Leiter des Produktionsaufbaus, setzt sich die Bühne in Bewegung. Weissenburger steht plötzlich inmitten des russischen Winterpalais. Auf der Video-Wand beginnt es zu schneien. Es scheint fast so, als würden an den Fenstern Schneekristalle hängen bleiben.

Projektion auf 430 Kacheln

Ein weiteres Zeichen des Aufbauleiters an die Technik und die Wände bewegen sich erneut. Es erscheint ein Meer aus Kirschblüten, die dann nach und nach verschwinden und den Blick auf das nächtliche Paris enthüllen. „Mit moderner Technik lassen sich verschiedene Räume kreieren, sodass die Kulisse und unsere Video-Wand ineinander übergehen“, erklärt Weissenburger. Der Aufwand der Zeichner, Grafiker und Techniker hat sich gelohnt, die 430 Video-Kacheln zeigen fast realitätsgetreue Bilder.

Weiter geht es durch einen kleinen Gang hinter die Bühne. Hier reiht sich eine Requisite an die andere: ein gigantischer Kronleuchter, verschiedene Sitzgelegenheiten, Zeitungen – natürlich in russischer Sprache – und vieles mehr. Am Ende des Raumes befindet sich der Traum einer jeden Frau: eine riesige Auswahl an Kostümen. In den sogenannten „Black Boxen“ ziehen sich die Musical-Darsteller während der Aufführung um – getrennt versteht sich.

„Für eine Kostüm-Tante wie mich ist das eine wunderbare Show“, schwärmt Reto Tuchschmid, verantwortlich für die Kleidung bei „Anastasia“. Die Kostüme der Darsteller sind vielfältig, von gedeckten Grün-Tönen bis knalligen Farben – alles ist dabei. An den Bügeln hängen gerade geschnittene, russische Uniformen, aber auch verspielte, farbenfrohe Zarenroben.

Überall glitzert und funkelt es

„Swarovski ist unser bester Freund hier“, erzählt Tuchschmid. An fast jedem Gewand hängen die glitzernden Steine. Sehr viele davon findet man an dem finalen Kleid der Titelfigur Anja. Die rote, voluminöse Robe ist das teuerste Stück im Kostümfundus des Musicals „Anastasia“. Tuchschmid kann den Wert des Kleides nur schätzen – zwischen 12 000 und 16 000 Euro, sagt er. Ein beachtlicher Preis.

Auch das Gewicht des Anastasia-Kostüms ist beeindruckend: 15 Kilogramm muss Hauptdarstellerin Judith Caspari mit herumtragen. Da sie genau 45 Sekunden Zeit, das Kleid hinter der Bühne anzuziehen, gibt es sogar dafür eine eigene Choreografie. Alles ist auf die Sekunde getimt. Reto Tuchschmid lässt seine Finger dabei aus dem Spiel: „Die zwei Frauen, die Judith helfen, haben das gut im Griff.“

Eine Zarentochter auf der Suche nach der Wahrheit

Das Musical ist an die Filme über die russische Zarenfamilie Romanow angelehnt.

Die Besucher werden in das Russland nach der Oktoberrevolution entführt. Es herrscht Aufruhr. Die Bolschewiki ermorden die Romanows. Der Legende nach soll nur Anastasia überlebt haben. Es heißt, sie habe bei dem Angriff ihr Gedächtnis verloren.

Die Zarentochter kommt in einem Kinderheim unter. Als sie erfährt, dass sie noch Verwandte haben soll, macht sie sich auf die Suche nach ihnen. Auf ihrer Reise begegnet sie den Höhen und Tiefen des Lebens: Freundschaften, Liebe, Vertrauen, aber auch Leid und Intrigen. sei

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