Zweiräder E-Bikes werden oft unterschätzt

Ein Polizist erläutert dem Teilnehmer den Parcours.
Ein Polizist erläutert dem Teilnehmer den Parcours. © Foto: Tilman Baur
Stuttgart / Tilman Baur 25.06.2018

Gerade hat Christian Andler seine erste Runde auf einem Pedelec gedreht – und ist auf den Geschmack gekommen. „Es hat Spaß gemacht, es war schneller als erwartet“, sagt der 33-jährige. Er ist am Samstag mit seiner Familie auf den Diakonissenplatz im Stuttgarter Westen gekommen. Dort hat der ADAC ein Fahrtraining mit Pedelecs und E-Bikes angeboten, also Fahrrädern, die einen Elektroantrieb haben.

Die Veranstaltung auf dem Verkehrsübungsplatz hat sich sowohl an Menschen gerichtet, die bereits ein Pedelec besitzen, als auch an solche, die sich vielleicht eines anschaffen wollen. Auf einem einfachen Parcours ging es darum, sich mit dem Handling eines E-Bikes vertraut zu machen: anfahren, Geschwindigkeit aufnehmen, bremsen, Slalom fahren.

Das Angebot hat einen ernsthaften Hintergrund: um 40 Prozent ist im vergangenen Jahr die Zahl der Unfälle in Stuttgart gestiegen, an denen E-Bikes beteiligt waren. Insgesamt waren es 59. Diese Zahl korreliere mit dem Anstieg der Verkäufe von Pedelecs, sagt ADAC-Experte Carsten Bamberg. Besonders in Stuttgart sind die Elektroräder beliebt, weil man die steilen Anstiege mit Elektrohilfe leichter bewältigt.

Zwar passierten nicht mehr Unfälle mit Pedelecs als mit normalen Fahrrädern, doch unterschätzten viele Fahrer, wie sehr sich die Zweiräder voneinander unterscheiden, so Bamberg. „Pedelecs sind vor allem für Senioren interessant. Die Räder sind aber auch schwierig zu beherrschen“, sagt Hermann Volkert vom Referat Prävention bei der Polizei. So würden E-Bikes schneller anfahren und seien schwerer als normale Räder. „Deshalb ist das Kurvenverhalten, die Beschleunigung und das Bremsverhalten auch anders“.

Bei älteren Menschen komme noch eine weitere Gefahr dazu: „Wer zur Generation 60 plus gehört, ist nicht mit Fahrradhelmen aufgewachsen und trägt oft auch keinen“, so Volkert. Es sind aber bei weitem nicht nur Senioren, die ihr eigenes Gefährt falsch einschätzten. „Die zweite betroffene Gruppe sind Berufstätige, die schnell zur Arbeit wollen und oft mit Maximalgeschwindigkeit fahren“, sagt Volkert.

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