Wilhelma-Berufe Direktor Kölpin: „Ich bin der Elefantenonkel“

Für seine Elefanten will Thomas Kölpin ein neues Haus bauen.
Für seine Elefanten will Thomas Kölpin ein neues Haus bauen. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Caroline Holowiecki 10.08.2018

Thomas Kölpin ist einer, der viel und launig erzählt. Etwa darüber, wie sich zu seiner Zeit als Cheftierpfleger im Hamburger Tierpark Hagenbeck eine grüne Anakonda während eines TV-Drehs in seinem Bauch verbissen hat. Oder was er im Rahmen seiner Doktorarbeit über das Sozial­verhalten mexikanischer Königsnattern herausgefunden hat. Am liebsten aber erzählt der Direktor der Wilhelma von Elefanten. Seinen Herzenstieren. „Ich finde sie faszinierend. Sie sind ganz anders als Menschen, haben aber ein unglaublich intensives Sozialverhalten.“

Aus Thomas Kölpin, dem Vorsitzenden des Elefanten-Expertengremiums bei der European Association of Zoos and Aquaria, einem Verband von etwa 300 zoologischen Einrichtungen, sprudelt es nur so heraus. Wie die Babys von Familienmitgliedern lernen. Wie sich die grauen Riesen mit dem Tod auseinandersetzen und von Artgenossen Abschied nehmen. Wie sie sich per Infraschall über Kilometer unterhalten. „Bei den Zootieren bin ich der Elefantenonkel“, sagt Thomas Kölpin lächelnd.

Seine Dickhäuter sieht er allerdings selten, wie er bekennt. Meist nur bei der täglichen Chefvisite. Von 7.30 bis 9 Uhr zieht Thomas Kölpin mit einem Stab von Kuratoren, Inspektoren und Tierärzten durch den Zoo, immer durch einen anderen Teil, um Tiere und Pflanzen zu begutachten und vor Ort Entscheidungen zu treffen, „wie ein Chefarzt“. Danach aber geht’s zurück ins Büro. Termine mit Bauprojektleitern, der Geschäftsleitung, Zoologen. Ab etwa 16 Uhr beginnt die strategische Arbeit: Gespräche mit Politikern und Geldgebern. Seit Januar 2014 leitet Thomas Kölpin den Stuttgarter Zoo, bei der Frage, ob das sein Traumjob ist, stockt er kurz. Insofern, als dass es „etwas mit Tieren“ sei, ja. Aber er differenziert. Früher, da habe er etwa mit Nilkrokodilen trainiert, alle hätten Namen gehabt. „Ich sehe Tiere, aber ich arbeite nicht mit ihnen. Das fehlt mir schon“, sagt er.

Ausgleich vom Schreibtischjob findet der 49-Jährige im Fitnessstudio oder in seinem privaten Tierzimmer. Daheim hält und züchtet er Königsnattern und -pythons, „ganz harmloses Zeugs“, zudem Vogelspinnen. Die Tiere zu beobachten und zu füttern, die Terrarien zu säubern, das helfe abzuschalten. Thomas Kölpin lebt mit seiner Familie in einem Haus auf dem Wilhelma-Gelände. „Ich sehe nur Vorteile“, sagt er. Zwischendurch kann er zum Essen oder Gute-Nacht-Sagen vorbeischauen, erklärt er, und seine Töchter – drei, fünf und zwölf – wachsen wie auf einem großen Abenteuerspielplatz auf. „Sie kennen alle Tiere, vom Elefant bis zur Feuerwanze.“

Thomas Kölpin wäre wohl selbst gerne, so wie seine Töchter, groß geworden. Der Hamburger Jung ist seit seiner Kindheit ein Tiernarr. „Alle können sich noch daran erinnern, dass ich Tierforscher werden wollte“, sagt er. Schon als Bub wollte er Spinnen und Schlangen halten. „Meine Eltern waren ganz entsetzt. Sie haben mich erst mal mit einem Meerschweinchen abgespeist“, erzählt er und grinst.

Seine Hauptaufgabe in der Wilhelma sieht der Chef darin, die Haltungsbedingungen seiner Tiere zu verbessern. Viele Anlagen sind veraltet. „Am liebsten würde ich 500 Millionen haben und alles umbauen“, stattdessen geht’s nur Schritt für Schritt. 2021 etwa soll der Neubau der Elefantenanlage starten. Außerdem will er, dass die Wilhelma mehr als Artenschutzorganisation wahrgenommen wird. „Das war meinem Vorgänger kein so großes Anliegen.“ Aktuell lässt der Stuttgarter Zoo bis zu 200 000 Euro pro Jahr Artenschutzprojekten weltweit zukommen. „Ich glaube, wir haben eine Verantwortung als Menschen, weil wir dieses Tierleid verursachen“, sagt er.

Die Abende genießt Thomas Kölpin auf seiner Terrasse. Dann lauscht er Papageien, Eulen, am liebsten aber den Löwen. „Das ist schon spektakulär, das hat was von Afrika-Feeling.“ Sein Chefbüro ist bis auf drei Porzellan-Eisbären und einen Spielzeug-Elefanten tierfrei. Lediglich historische Bilder maurischer Wilhelma-Bauten schmücken den Raum. Thomas Kölpin schaut sich um. „Vielleicht stelle ich mir mal ein Terrarium hinein. Damit ich tagsüber Tiere beobachten kann.“

Infokasten
Experte für gefährliche Tiere

Karriere Thomas Kölpin, Jahrgang 1968, stammt aus Hamburg und hat an der dortigen Uni bis 1998 Biologie studiert – ein Abstecher in die Psychologie währte nur zwei Semester. 2005 promovierte er in Ethologie und Herpetologie an der Uni Bonn. Seine Karriere startete er im Tierpark Hagenbeck, bis 2009 war er dort Leiter des terrestrischen Teils des Tropen-Aquariums und Kurator für Reptilien und Amphibien. Bis 2013 leitete er den Thüringer Zoopark Erfurt.

Ämter Seit Januar 2014 ist Kölpin Direktor der Wilhelma. Er hat zahlreiche Sonderfunktionen und Qualifikationen, unter anderem Sachkundeprüfer für Terraristik und gefährliche Tiere. Zudem ist er Mitglied im Verband Deutscher Zoodirektoren und der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz. car

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