Finanzen Die Zahl der Überschuldeten in Stuttgart steigt

Stuttgart / Jürgen Schmidt 24.01.2017

Es scheint paradox: Die Region Stuttgart gehört zu den reichsten Gegenden Deutschlands, die Wirtschaft boomt, doch gleichzeitig ist auch die Zahl der überschuldeten Verbraucher  im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Laut dem Schuldneratlas, den die Stuttgarter Niederlassung des Inkassounternehmens Creditreform gestern zum sechsten Mal veröffentlicht hat, können 192 900 Menschen in der Landeshauptstadt und den fünf umliegenden Kreisen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Das seien 3,6 Prozent mehr als 2015, erklärte der Inhaber der Stuttgarter Creditreform Strahler KG, Thomas Schlegel. Damit habe sich die Region in Sachen Überschuldung schlechter entwickelt als Deutschland insgesamt, wo der Anstieg bei 1,9 Prozent lag.

Gemessen an der Bevölkerungszahl stehen Stuttgart und Umgebung aber noch besser da als der Bundesdurchschnitt. Die sogenannte Schuldnerquote liegt hierzulande bei 8,62 Prozent. Deutschlandweit sind 10,06 Prozent aller Erwachsenen überschuldet, in Baden-Württemberg 8,34 Prozent. Damit liegt der Südwesten unter allen Bundesländern wie in den Vorjahren auf Platz zwei hinter Bayern.

Böblingen in der Region vorne

Die finanziellen Probleme privater Haushalte sind allerdings  sehr unterschiedlich verteilt und vor allem ein Problem der Ballungsgebiete. So liegt Stuttgart mit einer Schuldnerquoute von 11,12 Prozent an der Spitze in der Region, während es im Kreis Böblingen nur 7,1 Prozent aller Einwohner nicht schaffen, ihre Einnahmen und Ausgaben in Einklang zu bringen. Stuttgart habe vergangenes Jahr auch überproportional zur Negativentwicklung beigetragen, erklärte Schlegel. Im bundesweiten Ranking ist die Landeshauptstadt auf den 303. Platz unter 402 Kreisen und kreisfreien Städten abgerutscht. Der Kreis Böblingen liegt auf Rang 71, gefolgt von Esslingen (93), Ludwigsburg (110), dem Rems-Murr-Kreis (132) und Göppingen (138).

Für die Überschuldung sind die Betroffenen keineswegs immer selbst verantwortlich. Häufig seien unplanbare Änderungen der Lebensumstände verantwortlich, hatte schon das Statistische Bundesamt im Sommer 2016 erklärt. Zwar sei Arbeitslosigkeit noch immer der häufigste Grund, so Schlegel. Doch wegen der guten Beschäftigungslage, speziell in der Region Stuttgart, verliere sie als Hauptauslöser an Bedeutung. Bedeutender seien  dagegen Krankheit, Sucht und Unfall geworden. In Zukunft dürfte die Altersarmut als Ursache stärker hinzukommen. Die Zahl der Erstberatungen von Menschen jenseits der 60 habe stark zugenommen, erklärte Reiner Saleth von der Zentralen Schuldnerberatung Stuttgart. Jürgen Schmidt