Christmas Garden Die Wilhelma leuchtet

Die überdimensionalen, erleuchteten Seerosen sind ein Blickfang im Maurischen Garten.
Die überdimensionalen, erleuchteten Seerosen sind ein Blickfang im Maurischen Garten. © Foto: Ferdinando Iannone
Von Nadja Otterbach 17.11.2018

Familie Jäger hat es sich unter den Mistelzweigen gemütlich gemacht. Gemeinsam mit ihrem Sohn Lars schmiegt sich das Ehepaar aus Filderstadt unter dem Lichterbogen aneinander. Das Paar küsst sich und lacht. Kann ja nicht schaden. Der Legende nach werden sie nun für immer zusammenbleiben. Familie Jäger ist in der Wilhelma unterwegs – im Dunkeln. Zwei Kilometer sind die drei durch den Christmas Garden spaziert, vorbei an 20 Installationen, die den Zoo buchstäblich in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Bis 6. Januar ist der Zoologisch-Botanische Garten erleuchtet. Sobald der Zoobetrieb endet, verwandelt sich die Landschaft rund um die Damaszenerhalle und das Maurische Landhaus in ein Winterwunderland. 1,5 Millionen Lichtpunkte, Tausende von Lichterketten und große 3D-Figuren sorgen dafür, dass aus normalen Bäumen eine Kristallallee wird und die Besucher sich unter dem Himmelstor wiederfinden.

Dank geregelter Einlasszeiten – pro Stunde dürfen sich maximal 1500 Gäste auf den Weg machen – begegnet man keinen Menschenmassen. Unter den Mistelzweigen, die sich an etlichen Stellen befinden, wird geknutscht, Kinder lassen sich mit glitzernden Riesenpinguinen fotografieren und Hobbyfotografen bauen ihre Stative auf. Die meisten Tiere der Wilhelma sind längst in ihren Ställen eingeschlossen. Die Pelikane aber sind mittendrin. Sie dösen, umrahmt von 400 Lichtnestern in den Bäumen.

An Buden, die den Rundweg säumen, werden Glühwein, Suppe und Quiche angeboten. Doch nur wenige Besucher greifen zu, es gibt schließlich was zu sehen. Wer das Aquarium-Gebäude hinter sich gelassen hat, nähert sich dem Höhepunkt. Sanfte Pianoklänge sind zu hören, Streicher spielen „Stille Nacht“.

Die Szenerie wirkt surreal. Überdimensionierte, grell leuchtende Seerosen schwimmen an der Wasseroberfläche, jeder Baum im Maurischen Garten ist mit Lichterkugeln geschmückt, der Festsaal leuchtet rot. „Man, isch des a Gschäft gwesa“, sagt eine Frau im Vorbeigehen. Die meisten verharren einen Moment. Der Echterdinger Ernst Fehrle fühlt sich an den Tivoli in Kopenhagen erinnert.

Sabine Wolf, die mit ihrer Familie aus Ostfildern gekommen ist, gerät sofort ins Schwärmen: „Man fühlt sich wie Alice im Wunderland.“ Wenn sie den Weg fortsetzt, wird sie über leuchtende Sterne gehen, Nussknacker und Schneemann auf der Gebäudefassade tanzen sehen und den Maurischen Garten von oben betrachten. Zwar gibt es am Abend keine echten Dickhäuter zu sehen, der Elefant, der aus Tausenden kleinen Lichtpunkten zusammengesetzt ist, entschädigt jedoch. Wer den Weg nach oben bis zum Alpaka-Gehege gemeistert hat, wird erneut belohnt. Die angestrahlten Mammutbäume erinnern an eine Filmkulisse.

Es sind etliche Menschen unterwegs, mit dem Geschubse auf Weihnachtsmärkten hat der Christmas Garden aber nichts gemeinsam. Lediglich am „Wishing Tree“ heißt es mal Schlange stehen. Wer seinen Wunsch aufschreibt und ihn an einen der Zweige hängt, darf tatsächlich darauf hoffen, dass er erfüllt wird. „Ein Training mit Fußballprofis“ steht da neben „Huskybaby“ und „Monstertruck“. Nur ein Besucher muss sich wohl selbst um seine Sehnsucht kümmern: „Ich wünsche mir meine große Liebe Jacqueline zurück“, hat er notiert. Ein Kuss unter den Mistelzweigen kann sicher nicht schaden.

Am Sonntag wird der rote Teppich ausgerollt

Nach London und Berlin ist der Christmas Garden nun erstmals in Stuttgart. Er ist bis 6. Januar täglich von 17 bis 22 Uhr geöffnet (außer am 24. und 31. Dezember). Dauerkarten der Wilhelma gelten dafür nicht. Tickets sind unter der Nummer 07 11 / 2 555 555 für stundenweise gestaffelte Einlasszeiten erhältlich, um Gedränge zu vermeiden.

Zur offiziellen Eröffnung am Sonntag, 18. November, ab 17.45 Uhr wird der rote Teppich ausgerollt. Erwartet werden Landespolitiker, Mitglieder von den Bands „Schmutzki“ und „FÜENF“, Boxerin Alesia Graf, Yahya von DSDS und auch die Herzogin von Württemberg, Iris Caren. nad

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Installationen lassen die Wilhelma buchstäblich in einem anderen Licht erscheinen. Der Zoologisch-Botanische Garten verwandelt sich in ein Winterwunderland.

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